Werke von Gioacchino Rossini, Gaetano Donizetti, Nino Rota u. a.

Zenza Parole. Italian Arias for Horn

Felix Klieser (Horn), Solisti di Pavia

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Berlin Classics
erschienen in: das Orchester 7-8/2026 , Seite 77

Der bekannte Hornist Felix Klieser präsentiert auf seiner CD Senza Parole berühmte italienische Opernarien in einem anderen und neuen Klanggewand. Dieses Mal widmet er sich den großen Melodien der italienischen Oper und Filmgeschichte. Von Gioacchino Rossini erklingt die Arie „Largo al factotum della città!“ aus dem Barbier von Sevilla mit unverkennbar mediterranem Zauber. Mit weichen und betörenden Kantilenen wartet auch „Una furtiva lagrima“ aus Gaetano Donizettis Liebestrank auf, während Giacomo Puccinis „E lucevan le stelle“ aus Tosca eine bewegende Verismo-Aura verströmt.
Das renommierte italienische Kammerorchester I Solisti di Pavia beeindruckt dabei mit einer fulminanten Begleitung und raffinierten Arrangements von Wolfgang Renz. Mit seiner Virtuosität beeindruckt Felix Klieser auch auf dieser besonderen CD. Für seine künstlerische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Echo Klassik und dem Leonard-Bernstein-Award. Für ihn sind Horn und Gesang eng miteinander verbunden. Arien zu spielen sei unglaublich angenehm, weil die Art zu phrasieren, zu atmen und zu stützen im Gesang und beim Horn identisch sei, so seine erfahrung. Das Seufzen in O Sole Mio von Eduardo di Capua, die langen Triller bei „Juste ciel“ aus Le siège de Corinthe von Gioacchino Rossini oder der beschwingte Walzer aus „La donna è mobile“ aus Giuseppe Verdis Rigoletto besitzen Verve und Grandezza, wobei der Parlando-Zauber nicht zu kurz kommt.
Klieser betont, dass er seine Interpretationen nicht intellektuell erklären wolle, so funktioniere er nicht. Er atme einmal tief ein, puste aus und dann verselbstständige sich alles. Hier herrschen tatsächlich Emotionen ohne Worte. Das Horn übernimmt die Gesangsrolle, zeichnet die melodischen Bögen minuziös nach. Das ist vor allem auch bei „Un bel dì vedremo“ aus Giacomo Puccinis Madama Butterfly der Fall. Und auch „Come per me sereno“ aus Vincenzo Bellinis La sonnambula verblüfft mit melodischer Intensität. Selbst die Nähe zu Koloraturarien hört man dabei anders. Interessant ist hier ebenfalls „Nessun dorma“ aus Giacomo Puccinis Turandot, wo es bemerkenswerte dynamische Kontraste gibt. Natürlich klingt manche Sequenz hier leiser und kammermusikalischer, was vor allem „O mio babbino caro“ aus Giacomo Puccinis Gianni Schicchi zugutekommt. Folkloristische Reize besitzt ferner Parla più piano von Nino Rota, wo der Zauber der italienischen Piazza bei der untergehenden Sonne aufzustrahlen scheint. Klischees werden bei dieser gelungenen Aufnahme glücklicherweise nicht bedient. Die Akustik des Teatro Fraschini in Pavia (wo diese Aufnahmen stattfanden) kann sich in raffinierten Schattierungen entfalten. Empfehlung!
Alexander Walther

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