Daniel Glaus, Richard Wagner und Peter Tschaikowsky

Zehn Jahre Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern

Ltg. Cristoph Poppen/Stanislaw Skrowaczewski/Karel Mark Chichon

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Perc.pro
erschienen in: das Orchester 12/2017 , Seite 64

Als vor zehn Jahren die Inten­dan­ten zweier ARD-Anstal­ten ihre Orch­ester der Spar­dok­trin fol­gend zwangsver­heirateten, war der Grund­stein für ein in der deutschen Radi­ogeschichte gelun­ge­nes Pro­jekt gelegt: Auf der einen Seite war da das 1951 aus dem Funk- und Unter­hal­tung­sor­ch­ester Kaiser­slautern her­vorge­gan­gene Rund­funko­rch­ester mit dem Fokus auf der leicht­en Muse und als Part­ner auf der anderen Seite das auf die Neue Musik spezial­isierte Ensem­ble des Saar­ländis­chen Rund­funks, das Rund­funk-
Sin­fonieorch­ester Saar­brück­en. Ein gewagtes Exper­i­ment, für das es keine Vor­bilder gab. Noch nie zuvor wur­den über Rund­funkanstal­ten und Län­der­gren­zen hin­weg zwei Klangkör­p­er zu einem Orch­ester zusam­mengezwun­gen. Und so dauerte es etwas, bis „Eins und Eins ist Eins“ Wirk­lichkeit wurde, wie Benedikt Fohr, Orch­ester­man­ag­er der ersten Stunde, im Rück­blick schildert, und bis die Deutsche Radio­phil­har­monie Saar­brück­en Kaiser­slautern (DRP) zu einem fes­ten Teil der Musikkul­tur im Süd­west­en wurde.
Doch der Anfangsver­dacht, dass diese Jubiläums-CD-Box des Orch­esters, das 2007 unter seinem ersten Chefdiri­gen­ten Christoph Pop­pen aufs Podi­um trat, eine Leis­tungss­chau des ver­gan­genen Jahrzehnts ist, ist falsch. Zu eng liegen die drei Livemitschnitte zeitlich beieinan­der. Pop­pen dirigierte sein Auf­tragswerk fürs Orch­ester Von den vier Enden der Wel­ten des Schweiz­er Kirchen­musik­ers Daniel Glaus 2011 in Saar­brück­en; nur 18 Monate später stand Stanis­law Skrowaczews­ki in Hei­del­berg vor dem Orch­ester, als die sym­phonis­che Zusam­men­stel­lung und Bear­beitung von Wag­n­ers Tris­tan und Isol­de des Nieder­län­ders Henk de Vlieger auf dem Pro­gramm stand. Ein Viertel­jahr später dirigiert Karel Mark Chi­chon Tschaikowskys f-Moll-Sin­fonie. Drei Diri­gen­ten, die das Orch­ester geprägt haben, drei ganz ver­schiedene Werke und doch ein Klang. Und das ist das Über­raschende: Trotz der großen Unter­schiede, trotz des ver­schiede­nen Hin­ter­grunds – die Deutsche Radio Phil­har­monie hat ihren per­sön­lichen Stil gefun­den.
Und den­noch set­zen die drei Diri­gen­ten ganz eigene Akzente. Christoph Pop­pen zeigt im Ora­to­ri­um von Daniel Glaus, wie sou­verän und selb­stver­ständlich die eigen­willi­gen Klangvorstel­lun­gen des Schweiz­ers
umge­set­zt wer­den. Als langjähriger Men­tor am Pult führt Stanis­law Skrowaczews­ki in der sel­ten gehörten Tris­tan-Para­phrase hohe Orch­esterkun­st vor, bevor Karel Mark Chi­chon sein Ensem­ble mit rhyth­mis­ch­er Per­fek­tion und zupack­en­dem Musizieren zu sin­fonis­chen Stern­stun­den führt.
Sparzwänge haben die Geburtswe­hen der DRP vor mehr als einem Dezen­ni­um ein­geleit­et. Hof­fen wir, dass sich Inten­danz und Poli­tik in zwei Rund­funkanstal­ten und Bun­deslän­dern bewusst sind, wie wichtig das Orch­ester für die musikalis­che Kul­tur und Bil­dung im Süd­west­en ist. Chi­chon hat ger­ade erst wegen Bud­getkürzun­gen sein Engage­ment vorzeit­ig been­det. Ger­ade heute, wo das Wort „Bil­dung“ als poli­tis­ches Mantra von über­all her schallt, hat die DRP eine wichtige Rolle in der Kul­tur­land­schaft zu erfüllen. Sie kann und will es, lassen wir sie es auch tun!
Markus Roschin­s­ki