Szymanowski, Karol / César Franck

Works for Violin & Piano

Franziska Pietsch (Violine), Detlev Eisinger (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Audite
erschienen in: das Orchester 11/2017 , Seite 66

César Franck und Karol Szyma­nowski, so die Geigerin Franziska Pietsch, markierten für sie „eine Gegenüber­stel­lung der absoluten Extreme“: Während näm­lich Francks Klang­welt „so schön und so rund“ sei, ließe sich bei Szy­manows­ki neben der „Sehn­sucht nach dieser Schön­heit und Vol­lkom­men­heit“ auch „das andere“ – sprich: das Mod­erne erken­nen.
Diese Ansicht erk­lärt, warum Pietsch und ihr Part­ner Detlev Eisinger bei ihrer Inter­pre­ta­tion von Szy­manowskis dre­it­eiliger Kom­po­si­tion Mythen op. 30 vor allem Wert auf die Schön­heit des Klangs leg­en, den expliz­it mod­er­nen Aspek­ten – etwa den als Impulse für die Auseinan­der­fal­tung der melodis­chen Lin­ien dienen­den Viertel­ton­in­ter­vallen zu Beginn des abschließen­den „Dryades et Pan“ – jedoch etwas an Schärfe und damit auch Reiz nehmen.
Hat man sich damit abge­fun­den, wird man Zeuge ein­er in sich abgerun­de­ten Wieder­gabe: Überzeu­gend ist es beispiel­sweise, wie geschickt das Duo die von anderen Inter­pre­ten oft zu sehr als vorder­gründi­ge Effek­te insze­nierten Passa­gen (beispiel­sweise die Tremoli im „La fontaine d’Arethuse“) in eine über­ge­ord­nete Dra­maturgie einzu­binden weiß. Darüber hin­aus zeich­net sich der Zugang durch eine vielfältige Klanggestal­tung – man höre sich nur ein­mal die unter­schiedlichen Vibra­toab­stu­fun­gen in „Nar­cisse“ an – sowie durch einen sehr flex­i­blen Umgang mit agogis­chen Nuan­cen aus. Beson­ders gekon­nt ist das im drit­ten Stück real­isiert, wo die Inter­pre­ten mit dezent beton­ter Atem­losigkeit auf die ständi­gen Aus­druckswechsel reagieren und dabei ein sug­ges­tives Klang­panora­ma schaf­fen, in dem die zarten Fla­geo­lettpas­sagen der Vio­line zum Dreh- und Angelpunkt wer­den.
Ähn­liche Qual­itäten lassen sich bei der Umset­zung von Francks A-Dur-Vio­lin­sonate ent­deck­en. Aus­ge­hend vom zart getön­ten Alle­gret­to mod­er­a­to for­men die Musik­er das nach­fol­gende Alle­gro zu einem aufgeregten Ineinan­der­greifen bei­der Instru­mente, bei dem die Musik ständig nach vorn strebt und nur kurzzeit­ig in den melodisch-har­monis­chen Bezü­gen zum Ein­gangssatz zur Ruhe kommt. In Bezug auf klang­far­bliche Kon­traste wird hier und in der Recita­ti­vo-Fan­ta­sia das Gestal­tungsspek­trum bis hin zu matt, nahezu ver­löschend vor­ge­tra­ge­nen Pas­sagen der Vio­line aus­gereizt. Das Finale wiederum, von Pietsch und Eisinger mit viel klan­glich­er Emphase vor­angetrieben, prof­i­tiert vom wieder­holten Auf­s­tauen musikalis­ch­er Energie, das die bei­den schließlich in eine hym­nisch anges­timmte Schlusspas­sage mün­den lassen.
Szy­manowskis Romanze op. 28 ver­mit­telt die Welt der bei­den Werke miteinan­der, da sie die Emphase der Franck’schen Sonate mit ein­er nach vorne weisenden har­monis­chen Dis­po­si­tion verbindet. Das Werk erklingt in ein­er klangvollen Lesart, die – obgle­ich die Vio­line hier ein­deutig als führen­des Instru­ment fungiert – von exzel­len­tem Zusam­men­spiel geprägt ist und mit sub­tilen Details, so den leicht­en Wand­lun­gen im Tem­po und der damit ver­bun­de­nen Gestal­tung von Übergän­gen, überzeugt.
Ste­fan Drees