Werke von Vieuxtemps, Milhaud, Fauré und anderen

Works for Viola & Piano

by French Composers, Peijun Xu (Viola), Paul Rivinius (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Profil / Edition Günter Hänssler Ph14012
erschienen in: das Orchester 03/2015 , Seite 81

Die Bratscherin Pei­jun Xu wurde in Schang­hai geboren. Unter­richt hat­te sie zunächst in Chi­na, dann bei Roland Glassl an der Hoschule für Musik und Darstel­lende Kun­st Frank­furt am Main, an der Kro­n­berg Acad­e­my bei Nobuko Imai und an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin bei Tabea Zim­mer­mann. In den ver­gan­genen Jahren hat sie ein paar der wichtig­sten Wet­tbe­werbe und Preise der Bratscher­welt gewon­nen, zulet­zt 2010 einen ersten Preis beim Inter­na­tionalen Yuri Bash­met Vio­la-Wet­tbe­werb in Moskau und 2012 einen ersten Preis beim Max-Ros­tal-Wet­tbe­werb in Berlin. Ihre ehe­ma­lige Aus­bil­dungsstätte, die Frank­furter Hochschule, berief sie schließlich als Dozentin. Sowohl im Neue-Musik-Kos­mos als auch im Alte-Musik-Uni­ver­sum ist sie regelmäßig unter­wegs. „Liebe die Men­schen, liebe alles im Leben, und halte dein Herz und die Musik rein!“, dieser Wahlspruch schmückt ihre Homepage.
Aber es ist nicht ein­fach, den Kern ihres Spiels zu beschreiben, das Herz, das Zen­trum ihres Musizierens in Worte zu fassen. Ihre neue Auf­nahme, bei Pro­fil erschienen (bere­its vor zwei Jahren veröf­fentlichte sie ihre Debüt-CD), rei­ht Stan­dard­w­erke des Bratschen­reper­toires wie auf ein­er Per­len­kette auf. Vieux­temps-Sonate, Mil­hauds Qua­tre vis­ages, Fau­rés Sicili­enne und Après un rêve, Debussys Clair de lune, Francks A‑Dur-Sonate (eigentlich für Vio­line geschrieben) addieren sich zu siebzig Minuten, in denen Paul Riv­inius der Bratscherin ein nobler Begleit­er ist (aber lei­der auch nicht mehr). In ihnen schnur­rt die Welt eines Bratschen­stu­den­ten an ein­er deutschen Musikhochschule nahezu in Per­fek­tion ab.
All die Stücke, die von den Eleven lan­dauf, landab im Haupt­fachunter­richt in allen Facetten geputzt und dann bei inter­na­tionalen Ver­gle­ichen möglichst fehler­frei darge­boten wer­den, sind hier sauber und mit einem mit­tel­großen Vibra­to, mit der richti­gen Bogengeschwindigkeit und in ein­er aus­ge­wo­ge­nen Dynamik ver­sam­melt. Es gibt die kon­trol­lierten Aus­brüche dort, wo sie der Noten­text vor­sieht, und die lyrischen Schwel­gereien an ander­er Stelle. Aber alles ist erwart­bar, alles fre­undlich mod­eriert, alles ist „fehler­frei“. Ist das genug für eine aufre­gende neue CD? Eine, bei der einen Gänse­haut erfasst ob eines wis­pern­den Pianis­si­mos, ein­er, bei der man heim­lich ein Tränchen vergießt bei Clair de lune, oder wo einem schi­er das Herz birst nach einem genialis­chen Ein­fall der Inter­pretin. Eine, die man seinen Stu­den­ten in die Hand drück­en möchte mit den Worten: „Hör dir das an! Mach es genau so, aber mach es ganz anders… Ent­decke dich selb­st… Und strebe nach dem Extremen, nicht nach dem Mit­tel­maß, auch wenn dir das im Wet­tbe­werb schaden sollte. Die Kun­st dankt es dir!“
Der Autor des zweis­prachi­gen Bei­hefts for­muliert dazu etwas ungeschickt und vielle­icht doch passend: „Vieux­temps fehlt noch die gebührende Achtung im inter­na­tionalen Musik­leben, in der Musik­lit­er­atur und in der Disko­grafie. Diese Auf­nahme kann dazu beitragen.“
Mar­tin Morgenstern