Steve Martland

Wolf-Gang

Six Mozart opera arias arranged for wind octet (1991), Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, London
erschienen in: das Orchester 07-08/2018 , Seite 61

Der englis­che Kom­pon­ist Steve Mart­land (1954–2013) hat seine kom­pos­i­torische Aus­bil­dung in erster Lin­ie in Den Haag bei Louis Andriessen erhal­ten, dessen poli­tis­ches Engage­ment auch das Denken Mart­lands bee­in­flusste. Weit­ere Stu­di­en hat er bei Gun­ther Schuller absolviert. Seine Kom­po­si­tio­nen sind stark vom Rhyth­mus und ein­er großen Laut­stärke geprägt, die er auch den Hör­ern sein­er Tonauf­nah­men beim Abhören emp­fiehlt.
Da er es nicht liebte für großes Orch­ester zu schreiben, grün­dete er mit der „Steve Mart­land Band“ ein eigenes Ensem­ble, in dem er eine Vor­liebe für die Bläs­er zeigt. Die eigen­willige Beset­zung beste­ht aus elf Instru­menten: Flügel­horn, Trompete, Posaune, drei Sax­o­fone, Vio­line, E- und Bass­gi­tarre, Schlagzeug und Klavier.
Bläs­er bes­tim­men auch die tra­di­tionelle Har­moniemusik mit jew­eils zwei Oboen, Klar­inet­ten, Hörn­ern und Fagot­ten, auf deren Basis Mart­land einige Bear­beitun­gen erstellt wie die hier vor­liegen­den Mozart-Arien, die 1991 ent­standen – seine früh­esten Arrange­ments sind.
Man kön­nte erwarten, dass ein zeit­genös­sis­ch­er Kom­pon­ist dabei auch eigenes ein­bringt, aber Mart­land übern­immt den Mozart’schen Ton­satz tonge­treu und erlaubt sich nur instru­men­ta­torische Eigen­heit­en. So würzt er den tra­di­tionellen Oktet­tk­lang, indem er in „Là ci darem la mano“ aus Don Gio­van­ni anstelle der 2. Klar­inette, die Bassklar­inette ein­set­zt und in „Madami­na, il cat­a­l­o­go è questo“ aus der­sel­ben Oper, das Sopransax­o­fon an die Stelle der ersten Klar­inette treten lässt.
Nur das Lied des Papageno „Der Vogelfänger bin ich ja“ weist die tra­di­tionelle Oktet­tbe­set­zung auf, während der Marsch der Priester und „Se a caso madama“ (Die Hochzeit des Figaro) mit Englis­chhorn, Sopransax­o­fon und Bassklar­inette den gewohn­ten Klang weit­er aufmis­chen. In der Arie des Figaro „Non più andrai“ behält er die Kom­bi­na­tion von Sopransax­o­fon und Bassklar­inette bei.
Auf­fal­l­end sind ins­ge­samt einige ungewöhn­liche Instru­mentenkom­bi­na­tio­nen, die Rolle der Bassklar­inette, die durch die Über­nahme der orig­i­nalen zweit­en Vio­line mit ihren Sechzehn­tel-Spielfig­uren einen anspruchsvollen Part bekommt, und das Sax­o­fon, das größ­ten­teils den Part der ersten Vio­line spielt, aber auch als weich zeich­nen­der Trompe­ten-Ersatz am Ende von „Non più andrai“ einen uner­warteten Auftritt hat. Eine dankbare Rolle fällt dem Horn in Don Gio­van­nis Arie „Là ci darem la mano“ zu.
Mart­land respek­tiert bei der Instru­men­ta­tion den Peri­o­den­bau der Melodik und ver­sucht nicht diesen aufzubrechen. Die verän­derte Beset­zung bewirkt keine radikale neue Klan­glichkeit im Ver­gle­ich zur klas­sis­chen Har­moniemusik. Somit ist Mart­lands Wolf-Gang im Grunde eine tra­di­tionelle Har­moniemusik mit einem etwas mod­erneren Far­banstrich, die mit fün­fzehn Minuten Gesamt­spiel­d­auer einen kurzweili­gen Pro­gramm­punkt in einem Bläserkam­merkonz­ert darstellen kann.
Herib­ert Haase