Wirbeley Nachten

Rubrik: CDs
Verlag/Label: www.wirbeley.de
erschienen in: das Orchester 04/2013 , Seite 77

Die Gruppe Wirbe­ley, das sind sechs Musik­er ver­schieden­er Prove­nienz (von den Dres­d­ner Kapell­solis­ten bis zum Karnevalsvere­in), die sich in Dres­den zusam­menge­tan haben, um Musik ver­schieden­er Epochen in ungewöhn­lich­er Beset­zung (vom Flügel­horn über Akko­rdeon, Gesang, Flöten, Sax­o­fone, Vio­la, Gitarre, Man­dola und reich­lich Schlag­w­erk bis zu Schalmei und sin­gen­der Säge) und großteils eige­nen Arrange­ments auf die Bühne und in diesem Falle auf eine CD zu brin­gen. „Bar­ri­ere­freie Volksmusik“ haben sie sich auf die Fah­nen geschrieben – worunter man sich wohl erst etwas vorstellen kann, wenn man sie gehört hat.
Rein musikalisch jeden­falls ist diese nicht wirk­lich befriedi­gend. Denn ob Orlan­do di Las­so, Prae­to­rius, Bach, irische Volk­sweise, finnis­ches Wei­h­nacht­slied oder Carl Friedrich Zel­ter: Alles wird im gle­ich­schweben­den Stimm­sys­tem gespielt und gesun­gen – allerd­ings nicht ger­ade mit makel­los­er Into­na­tion ins­beson­dere im vokalen Bere­ich; was mit den in Pop- oder Volksmusik-Manier kern­los einge­set­zten Stim­men der Pro­tag­o­nis­ten natür­lich vor­pro­gram­miert scheint. Musikalis­che Gestal­tung im Sinne von dynamis­chen oder agogis­chen Dif­feren­zierun­gen, Phrasierung, Span­nungs­bö­gen oder tex­tentsprechen­der Entwick­lung einzel­ner Phrasen ist kaum vorhan­den. Solch­es würde selb­stre­dend zu den mit pop­pi­gen Rhyth­men unter­legten Stück­en dieser nur gut 40-minüti­gen CD auch gar nicht passen, doch wirken manche Stücke ob dieses Man­gels auf den nicht so rhyth­musaffinen Hör­er spätestens nach der drit­ten Zeile lang­weilig. Dafür gibt es viel und lautes Schlag­w­erk, das eine oder andere zwitsch­ernde Vögelein und auch ein Schäflein darf nicht fehlen.
So ist diese CD nichts für hart­ge­sot­tene Klas­sik- oder gar Alte-Musik-Fans, mag aber sicher­lich den einen oder anderen Musik-neben­bei-Hör­er erfreuen, der ein wenig frische, aber eingängige Wei­h­nacht­sluft schnup­pern möchte, und auch der tra­di­tionelle Wei­h­nachtsmuf­fel wird dieser etwas bis­sigeren Ver­sion des Friedens­festes zweifel­sohne einiges abgewin­nen kön­nen. Denn nicht nur find­en sich hier neben klas­sis­chen Wei­h­nacht­sliedern wie Kom­met, ihr Hirten, Ich steh an dein­er Krip­pen hier oder Erfreue dich, Him­mel auch beispiel­sweise Goethes Spot­tfas­sung des Wei­h­nacht­slieds Die heili­gen drei Könige oder Las­sos Audite Nova, son­dern auch die klas­sis­chen Wei­h­nacht­slieder sind eben in vielle­icht auch leicht sarkastisch aufz­u­fassender Gewan­dung zu hören.
Ganz neu ist das freilich nicht; ver­poppte und auch textlich mod­i­fizierte Wei­h­nacht­slieder ken­nt man ja nun schon länger – doch hört man genauer hin, so über­rascht hier neben der fröh­lich bun­ten Zusam­men­stel­lung der Stücke auf jeden Fall auch das große und klan­glich viel­seit­ige Instru­men­tar­i­um. Dazu ist auch die Auf­machung der CD von der Präsen­ta­tion der Stücke bis hin zu der­jeni­gen der Musikan­ten orig­inell, sehr sorgfältig und in vie­len Details höchst liebevoll gestal­tet.
Und zur Sicher­heit gibt es auf der Web­site der Gruppe – übri­gens auch der einzi­gen Bezugsmöglichkeit für die CD – auch Hör­beispiele zur Absicherung eines poten­ziellen Kaufs.
Andrea Braun