Matthias Almstedt

Wie geht Theater?

Theatermanagement in der Praxis

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Tredition
erschienen in: das Orchester 05/2022 , Seite 60

Wer als Künstler:in in einem The­ater tätig ist, als Sänger:in, Schauspieler:in, Musiker:in oder Tänzer:in, der hat hier­für eine in-ten­sive Aus­bil­dung durch­laufen. Wer als Nicht-Künstler:in in einem The­ater tätig ist, der ist häu­fig in irgen­dein­er Form Quereinsteiger:in, als Jurist:in oder Betriebswirt:in, stammt aus der all­ge­meinen Ver­wal­tung oder anderen Berufen. Voll­w­er­tige Aus­bil­dungs­gänge für The­ater- oder Orch­ester­man­age­ment sind Man­gel­ware. Quereinsteiger:innen müssen sich das the­o­retis­che Rüstzeug im Selb­st­studi­um mit ein­schlägiger Fach­lit­er­atur erarbeiten.
In diese Rubrik fällt das Buch von Matthias Alm­st­edt, nach ver­schiede­nen Sta­tio­nen in The­atern und beim Deutschen Büh­nen­vere­in derzeit kaufmän­nis­ch­er Direk­tor des Saar­ländis­chen Staat­sthe­aters in Saar­brück­en. Sein Buch ist qua­si ein Run­dum­schlag für Aspirant:innen der The­ater­ver­wal­tung und speist sich aus seinem Skript in einem Wirtschaftsstu­di­en­gang sowie sein­er Dis­ser­ta­tion zum Controlling.
Nach einem Überblick über die The­ater­struk­turen in Deutsch­land und der Einord­nung des Ziel­sys­tems öffentlich­er The­ater wer­den Rechts­for­men, unter­schiedliche Leitungsmod­elle und organ­isatorische Aspek­te von The­ater­be­trieben behan­delt. Großen Platz nehmen die Aus­führun­gen zum Mar­ket­ing ein – ein Bere­ich, der für die The­ater in den ver­gan­genen Jahren immer wichtiger gewor­den ist. Weit­ere Kapi­tel befassen sich mit Fundrais­ing und Spon­sor­ing, den ver­schiede­nen Beschäftigten­grup­pen am The­ater und deren arbeit­srechtlichen Rah­menbe­din­gun­gen. Ein betrieb­swirtschaftlich­er Schw­er­punkt liegt in den Kapiteln zur kaufmän­nis­chen Buch­führung (ver­sus Kam­er­al­is­tik), zur Kosten­rech­nung, zum Con­trol­ling und zum Ein­satz von EDV, heute eher unter dem Kürzel „IT“ geläu­fig. Hier zeigt sich ein kleines Prob­lem des Buchs: Der Screen­shot zum Mod­ul Per­son­alkosten­pla­nung der Fir­ma Mecom gibt die Jahre 1999–2001 an und sieht auch so aus: Ober­fläche von Win­dows 3.0 oder so, jeden­falls wie von vorgestern. Ein Hin­weis auf OPAS (Orches­tra Plan­ning and Admin­is­tra­tion Sys­tem) oder eine Ein­führung in andere, weit­er ver­bre­ite IT-Sys­teme in The­atern und Orch­estern wäre wün­schenswert gewesen.
Ärg­er­lich sind kleine inhaltliche Fehler, so beispiel­sweise auf Seite 14, wo man liest, dass die UNESCO über eine Anerken­nung der deutschen The­ater- und Orch­ester­land­schaft als imma­terielles Kul­turerbe noch nicht entsch­ieden habe und das Ver­fahren andauere – der Antrag wurde jedoch 2019 zurück­ge­zo­gen. Oder die fehler­hafte Zuord­nung des Meck­len­bur­gis­chen Staat­sthe­aters Schw­erin, welch­es bere­its seit Jan­u­ar 2021 zu 100 Prozent vom Land Meck­len­burg-Vor­pom­mern und eben nicht mehr von mehreren Trägern unter­hal­ten wird.
Alle Kapi­tel enthal­ten am Ende Übungsauf­gaben, die die Möglichkeit geben sollen, Lek­türe- und Lern­er­folg zu reflek­tieren. Die Lit­er­aturhin­weise sind eher über­schaubar, einzelne Quellen 15 bis 20 Jahre alt; auch hier wären ein Mehr und höhere Aktu­al­ität zu begrüßen. Trotz klein­er Abstriche liefert das Buch einen soli­den Überblick über die für das Man­age­ment eines The­aters wichtig­sten Fachgebiete.
Ger­ald Mertens