Arien von Flotow, Lortzing, Marschner und anderen

Wie freundlich strahlt der Tag

Maximilian Schmitt (Tenor), WDR Sinfonieorchester Köln, Ltg. Patrick Lange

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Oehms Classics OC 1836
erschienen in: das Orchester 10/2016 , Seite 69

Max­i­m­il­ian Schmitt, inzwis­chen an vie­len deutschen Opern­häusern gern gese­hen­er Tenor, spricht im Book­let sein­er drit­ten CD von „Edelk­itsch“, der so gut wie allen Kom­po­si­tio­nen zumin­d­est in Ansätzen anhaftet. Dem möchte ich nicht wider­sprechen. „Aber wenn das ehrlich emp­fun­den gesun­gen wird, ist dage­gen gar nichts einzuwen­den. Um nicht in die Kitsch-Falle zu tap­pen, muss man diese Musik ein­fach ernst nehmen…“ Die Kom­pon­is­ten zwis­chen Weber und Wag­n­er, die in roman­tis­ch­er bzw. spätro­man­tis­ch­er Manier geschwollen melan­cholisch bis über­bor­dend drama­tisch des Weges kom­men, frisch und authen­tisch klin­gen zu lassen, ohne sen­ti­men­tal zu wer­den, ist Max­i­m­il­ian Schmitt hier tat­säch­lich gelun­gen.
Neben Lortz­ings „Lebe wohl, mein flan­drisch Mäd­chen“ aus Zar und Zim­mer­mann, ein­er Arie von Marschn­er aus dessen Vampyr und der Arie „Horch, die Lerche“ aus Die lusti­gen Weiber von Wind­sor von Otto Nico­lai, in der die Flöte als Lerche wun­der­bar über dem laut­ma­lerisch wogen­den Orch­ester zwitschert, ste­ht auch eine Arie aus Flo­tows sel­ten gespiel­ter Oper Alessan­dro Stradel­la auf dem Pro­gramm, die den Titel fürs Album liefert. Auch ein Schu­bert ist dabei, eine große, eher nichtssagende Szene aus der Oper Fierrabas. Selb­st wenn in all diesen Piecen Wag­ner’sche Momente auf­blitzen, so ver­mö­gen sie doch nicht an dessen Fliegen­den Hol­län­der, Tannhäuser oder den „All­mächt’gen Vater“ aus Rien­zi, der vor Webers Freis­chütz schon allein wegen des berühmten Vor­spiels als Glan­zlicht zum Schluss bril­liert, her­anzure­ichen.
Mit nicht ungewöhn­lich großer Stimme, die er schlank führt, dabei die berühmte Träne im Tim­bre, diesen stets weinen­den Schim­mer, eben den unverkennbar teno­ralen Schmelz, berührt Max­i­m­il­ian Schmitt durch­wegs unmit­tel­bar, sodass es wenig von Belang ist, dass man den Text kaum ver­ste­ht. Die Höhe strahlt wie der Tag, wenn auch das Vibra­to getra­gen­er Pas­sagen in der Mit­tel­lage dazu neigt, gele­gentlich etwas aus­ladend zu schwin­gen. Sog­ar Wag­n­er singt Schmitt kul­tiviert, immer bestrebt, den lyrischen Charak­ter zu bewahren, worin seine Stärke liegt: keine Selb­st­darstel­lung, son­dern ein eher demutsvolles Hin­ter-dem-Werk-Ste­hen gepaart mit sän­gerisch­er Diszi­plin, wie er selb­st es nen­nt. Dies mag daher rühren, dass Schmitt neben sein­er Opern­tätigkeit stets auch Lieder­abende gibt, für die Stimmpflege und tech­nis­che Per­fek­tion unumgänglich sind.
Das WDR Sin­fonieorch­ester Köln, vom erst 1981 gebore­nen auf­streben­den Diri­gen­ten Patrick Lange mutig und tem­pera­mentvoll durch musikalis­che Stürme zu licht­en Traum­land­schaften geführt, webt mal samtige, dann wieder wuchtige Stre­ichertep­piche. Auf diesen kann Schmitt sich genussvoll aus­bre­it­en. Klangschön inter­pretiert das Orch­ester die in diesem Genre so wichti­gen Zwis­chen­töne, welche der jew­eili­gen Fig­ur erst die nötige Tiefe ver­lei­hen, die sie glaub­haft und nah­bar wer­den lässt.
Kathrin Feld­mann