Pablo de Sarasate / Niccolò Paganini

Werke von Pablo de Sarasate & Niccolò Paganini

Kim Sjøgren (Violine), Lars Hannibal (Gitarre)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: OUR Recordings
erschienen in: das Orchester 07-08/2020 , Seite 73

Die Lebens­dat­en der bei­den Aus­nah­megeiger Nic­colò Pagani­ni und Pablo de Sarasate ergänzen sich ide­al und umfassen das gesamte 19. Jahrhun­dert: Pagani­ni starb 1840, vier Jahre später wurde Sarasate geboren. Bei­de Kom­pon­is­ten auf ein­er CD zu kop­peln, ver­spricht für den Zuhör­er eine gute Stunde lang vir­tu­ose Läufe bis in die viergestrich­ene Oktave, auf- und absteigende Triller­ket­ten, Dop­pel­grif­fläufe, schnell wech­sel­nde Fla­geo­lett- und Pizzi­ca­to-Pas­sagen, alles in atem­ber­auben­dem Tem­po. Daneben kom­men aber auch intimere Momente nicht zu kurz, in denen der die Vio­line beglei­t­ende Gitar­rist auftrumpfen kann. So haben der Geiger Kim Sjø­gren und der Gitar­rist Lars Han­ni­bal als Mit­tel­satz von Sarasates bekan­nter Car­men- Fan­tasie op. 25 das betörende Zwis­chen­spiel zum 3. Akt aus Bizets Oper einge­fügt. Das Wan­dern des The­mas durch die Instru­mente, begin­nend mit der Flöte und begleit­et von der Harfe, sowie das schrit­tweise Auf­blühen des Orch­esterk­langs als Vor­bere­itung auf den Akt­be­ginn kön­nen sie natür­lich in dieser Duobe­set­zung nicht real­isieren. So bleibt es eine verträumte Melodie, dra­matur­gisch geschickt als ruhiges Zen­trum in eine fün­f­sätzige Fan­tasie posi­tion­iert, deren Eck­sätze an vir­tu­osem Feuer­w­erk nichts zu wün­schen übrig lassen. Die Rolle des Gitar­ris­ten ist in den Bear­beitun­gen von Werken Sarasates und in den Orig­i­nalkom­po­si­tio­nen Pagani­nis meis­tens auf die des Begleit­ers beschränkt. Einzig in Pagani­nis Sonata Con­cer­tante, die bei­de Instru­mente gle­ichrangig ein­set­zt, sowie in dessen Romanze, hier in ein­er bekan­nten Fas­sung für Gitarre solo gespielt, kann der Gitar­rist aus dem Schat­ten des Geigers her­aus­treten. Instru­mentenbe­d­ingt sind die Begleitungsvari­anten ein­er Gitarre begren­zt. Aber im Rah­men dessen bringt Han­ni­bal die nötige präzise Artiku­la­tion mit und Sjø­gren, der die vir­tu­osen Stellen spielerisch meis­tert, liefert den erforder­lichen Schmelz. Die Auf­nah­me­tech­nik hebt die Gitarre angeglich­en­er an das Vol­u­men der Vio­line her­vor als in ein­er Live-Sit­u­a­tion. So spielt sich das Duo durch die High­lights der Kom­pon­is­ten wie Sarasates Car­men- Fan­tasie, dessen Zige­uner­weisen op. 20 und spanis­chen Tänzen, und bei Pagani­ni vor allem durch die Moses-Fan­tasie, die Sonate Con­cer­tante und als Abschluss der CD das unver­mei­dliche Moto Per­petuo. Durch die Bear­beitun­gen für Gitarre beson­ders der vier spanis­chen Tänze Sarasates, im Orig­i­nal für Vio­line und Klavier, mit ihren der Fla­men­co­musik entlehn­ten musikalis­chen Wen­dun­gen, wird die Musik der Gitarre als dem wichtig­sten Instru­ment des Fla­men­co dieser qua­si zurück­gegeben. Bear­beit­et wur­den die spanis­chen Tänze von Lars Han­ni­bal selb­st, einem umtriebi­gen und über­aus aktiv­en Gitar­ris­ten. In den 1980er Jahren nahm er mit Sjør­gen als Duo Con­cer­tante Schallplat­ten auf, seit den 1990er Jahren mit der Block­flötistin Micha­la Petri, zwis­chen­durch ist er immer wieder gen­reüber­greifend unter­wegs. Aus den 1980ern stam­men auch die vor­liegen­den Auf­nah­men, die nun auf CD in Han­ni­bals eigen­em Label OUR Record­ings erschienen und über Nax­os ver­trieben wer­den.
Jörg Jew­an­s­ki