Werke von Ludwig van Beethoven, Eugène Ysaÿe, Robert Schumann und Benjamin Britten

Valentino Worlitzsch (Cello), Elisabeth Brauß (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Genuin GEN 17463
erschienen in: das Orchester 10/2018 , Seite 73

2016 kon­nte Valenti­no Wor­l­itzsch (*1989) beim Deutschen Musik­wet­tbe­werb nicht nur die Jury, son­dern auch das Pub­likum von sich überzeu­gen. Seine dabei gewonnenen Preise bein­hal­ten die Veröf­fentlichung der hier vor­liegen­den CD, die ein­drucksvoll Wor­l­itzschs cel­lis­tis­ches Kön­nen unter Beweis stellt.
Gemein­sam mit der Pianistin Elis­a­beth Brauß hat er Werke von Beethoven, Schu­mann und Brit­ten sowie die Solosonate von Ysaÿe einge­spielt. Die Zusam­men­stel­lung der Kom­po­si­tio­nen erläutert der Musik­er fol­gen­der­maßen: „Es han­delt sich um eine schein­bar bunte Auswahl an Werken, deren große Gemein­samkeit darin beste­ht, dass sie mir aus ver­schiede­nen Grün­den beson­ders am Herzen liegen und mich als Musik­er geprägt haben.“
Eröffnet wird die CD mit Beethovens Sonate für Klavier und Vio­lon­cel­lo Nr. 5 op. 102 Nr. 2. Die Kom­po­si­tion „schwankt“ zwis­chen musikalis­chen Gegen­sätzen: Auf den „feuri­gen“ ersten Satz fol­gt ein in sich gekehrter zweit­er Satz. Dieser wiederum mün­det in eine streng geführte Dop­pelfuge. Auch inner­halb der Sätze wech­seln die musikalis­chen Stim­mungen rasch. Wor­l­itzsch und Brauß arbeit­en diese Kon­traste gekon­nt her­aus und zeigen dabei Mut zum Risiko. Das äußert sich beispiel­sweise in ihrer dynamis­chen Gestal­tung durch jähe Wech­sel, schnelle Steigerun­gen sowie Entspan­nun­gen.
Ysaÿe ist vor allem bekan­nt für seine Geigen-Solosonat­en. Seine 1923 ent­standene Cel­losonate wird lei­der nur sel­ten gespielt, dabei zeugt sie von der gle­ichen Qual­ität wie die Werke für Vio­line. Der Kom­pon­ist reizt die tech­nis­chen und musikalis­chen Möglichkeit­en des Vio­lon­cel­los geschickt aus. Wor­l­itzschs energiege­ladene und facetten­re­iche Inter­pre­ta­tion überzeugt sowohl in den leisen als auch in den inten­siv­en Momenten.
Ganz im Zeichen des Gefühls ste­ht Schu­manns Ada­gio und Alle­gro. Während den Musik­ern im Ada­gio eine feine und innige Gestal­tung gelingt, hätte dem Alle­gro noch etwas mehr Feuer nicht geschadet.
Den Höhep­unkt der Ein­spielung bildet Brit­tens Cel­losonate, die dieser 1961 für Ros­tropow­itsch schrieb. Sie ist ein hochkom­plex­es und vielschichtiges Werk, das Wor­l­itzsch wahrlich tre­f­fend beschreibt: „Sonata in C, dieser Titel klingt so banal und dahin­ter ver­birgt sich doch ein ganz­er Kos­mos! […] Tief­sinn, Ironie, Melan­cholie, Vir­tu­osität, ja sog­ar Wahnsinn.“ Die Kom­po­si­tion ver­langt den Inter­pre­ten durch ihre musikalis­chen Extreme alles ab.
Elis­a­beth Brauß und Valenti­no Wor­l­itzsch meis­tern diese Her­aus­forderung bravourös und punk­ten mit ansteck­ender Spiel­freude, Tem­pera­ment, Aus­druck und tech­nis­chem Kön­nen. Auf der gesamten Ein­spielung begeg­nen sie sich als eben­bür­tige Part­ner. Dabei ergänzen sich das sen­si­ble, ele­gante Spiel der Pianistin sowie das manch­mal schon über­schwängliche und lei­den­schaftliche Musizieren des Cel­lis­ten zu ein­er gut aus­bal­ancierten Mis­chung!
Anna Catha­ri­na Nim­czik