Werke von Karol Kurpiński, Ignacy Feliks Dobrzyński und Stanisław Moniuszko

Wrocław Baroque Orchestra, Ltg. Jarosław Thiel

Rubrik: CDs
Verlag/Label: NFM Recordings 72
erschienen in: das Orchester 10/2021 , Seite 75

Roman­tis­che Orch­ester­lit­er­atur aus Polen? Selb­st Ken­nern fällt da meist nur Stanisław Moniuszko (1819–1872) als Kom­pon­ist der Oper Hal­ka ein, die in Polen einen ähn­lichen Rang hat wie in Deutsch­land etwa der Freis­chütz. Die Auf­nahme aus dem Nar­o­dowe Forum Muzy­ki, dem wegen sein­er Akustik hoch gelobten Konz­ert­saal in Bres­lau, fördert weit­ge­hend unbekan­nte roman­tis­che Orch­ester­lit­er­atur zutage. Das Wrocław Baroque Orches­tra unter Jarosław Thiel agiert span­nungs­ge­laden und dynamisch dif­feren­ziert auf his­torischen Instrumenten.
Neben Moniuszkos facetten­re­ich­er Fan­tasie-Ouvertüre Baj­ka aus dem Jahr 1848 ist vor allem die 2. Sin­fonie c‑Moll op. 15 („Die Charak­ter­is­tis­che“) von Igna­cy Feliks Dobrzyńs­ki (1807–1872) bemerkenswert. Ent­standen um 1834, gilt sie als eines der ersten Werke der europäis­chen Sin­fonik, welche allein auf nationale Motive im Geist pol­nis­ch­er Musik abstellen. Klan­glich ange­siedelt zwis­chen spätem Beethoven, Weber und Schu­bert bietet die Sin­fonie in vier Sätzen kam­mer­musikalis­che Präsen­ta­tions­flächen, ein Menuett im Mazur­ka-Stil sowie einen schmis­sig akzen­tu­ierten Final­satz, der vor allem die Stre­ich­er her­aus­fordert. Eine Erstein­spielung ist die Ele­gia in c‑Moll von Karol Kurpińs­ki (1785–1857), ent­standen etwa 1825 und für die Auf­nahme von Jarosław Thiel rekon­stru­iert. Eine wirk­lich lohnende Repertoireerweiterung!
Ger­ald Mertens