Werke von Carlo Michelangelo Sola, Giovanni Toja, Angelo Bovio und Giuseppe Gariboldi

Musica per flauto e arpa dell’Ottocento Italiano

Claudio Ortensi (Flöte), Anna Pasetti (Harfe)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Tactus
erschienen in: das Orchester 02/2018 , Seite 69

Wenn die ital­ienis­che Instru­men­tal­musik im 19. Jahrhun­dert auch keinen leicht­en Stand neben der Oper hat­te, so gab es doch, ähn­lich wie in Frankre­ich, pri­vate Konz­erte im Salot­to als dem Wohnz­im­mer des wohlhaben­den und gebilde­ten Bürg­er­tums. Aus diesem im besten Sinn unter­halt­samen Reper­toire stam­men die hier einge­spiel­ten Stücke für Flöte und Harfe. Dass sie nur ein klein­er Teil dessen sind, was es auf diesem wenig erforscht­en Gebi­et zu ent­deck­en gibt, lässt sich schon bei ein­er ein­fachen Suche im Ver­bund­kat­a­log SBN, dem Cat­a­l­o­go Del Servizio Bib­lio-tecario Nazionale, fest­stellen.
Aus­gewählt wur­den eine Fan­ta­sia con­cer­tante genan­nt La Marziale von Car­lo Michelan­ge­lo Sola (1786–1829), der als Flöten­lehrer in Genf und Lon­don wirk­te; zwei Not­turni von Gio­van­ni Toja, von dem man nicht ein­mal die Lebens­dat­en weiß, immer­hin aber, dass er Gesangs- und Klavier­lehrer war; dann zwei Kom­po­si­tio­nen von Ange­lo Bovio (1824–1909), einem Har­fenis­ten im Orch­ester der Mailän­der Scala, bei­de, ein Diver­ti­men­to und ein Duet­to, sind in Zusam­me­nar­beit mit Flötis­ten ent­standen; La pas­sione op. 8 schließlich von Giuseppe Gari­bol­di (1833–1905), dem einzi­gen geläu­fi­gen Namen in diesem Kon­text, ist sein einziges Werk für Flöte und Harfe, die darin ver­wen­dete Melodie ist ein­er Klavierkom­posi-tion von Ernesto A. L. Coop ent­nom­men.
Die Musikauswahl zeich­net sich durch gle­ich­berechtigtes Zusam­men­spiel aus, für die Harfe gibt es wirkungsvolle Solostellen. Mit dem Duet­to von Bovio, das Motive aus Verdis früher Oper Il Cor­saro ver­wen­det, ist auch eine Opern­fan­tasie dabei, wie man sie von ital­ienis­chen Flöten­vir­tu­osen (etwa Emanuele Krakamp oder Giulio Bric­cial­di) ken­nt. Die bei­den Not­turni sind facetten­re­iche Charak­ter­stücke, wie über­haupt in allen Stück­en die Stim­mungen wech­seln, bevor Melodie oder Vir­tu­os­es zu sehr dominieren wür­den. Inhaltlich also ein viel­seit­iges und anre­gen­des Pro­grammkonzept, doch ist das Zuhören lei­der kein reines Vergnü­gen.
Mitver­ant­wortlich ist eine zu tro-ckene Auf­nah­me­tech­nik, die kle­in­ste Unge­nauigkeit­en hör­bar macht. Die Harfe mit nur gele­gentlichen Schär­fen bet­rifft das sel­tener, z.B. am sehr „mar­tialis­chen“ Anfang der Fan-tasie von Sola, während die Flöte durch die akustis­chen Bedin­gun­gen deut­lich­er benachteiligt ist. Dazu wirkt ihre Spiel­weise, trotz schön­er Pas­sagen, oft recht gewollt, sei es durch sehr kurz artikulierte Töne, abgeris­sene Bindun­gen oder durch zu langsames Vibra­to und eine ins­ge­samt zu wenig mod­ulierte Klanggestal­tung. Auch im Zusam­men­spiel fehlt es an der für diese Musik unbe­d­ingt notwendi­gen Emo­tion­al­ität und Lebendigkeit.
Sich mit ital­ienis­ch­er Kam­mer­musik zu beschäfti­gen, sei es für diese oder andere Beset­zun­gen, dürfte aber trotz­dem ein lohnen­des Vorhaben sein. Das ital­ienisch-englis­che Book­let bietet viel Infor­ma­tio­nen zu den Kom­pon­is­ten und Werken. Die Noten sind mit Aus­nahme der bei­den Kom­po­si­tio­nen von Bovio beim ital­ienis­chen Ver­lag Edi­zioni UT Orpheus erschienen.
Ursu­la Pešek