Werke von André Parfenov

Iuliana Münch (Violine), André Parfenov (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Naxos
erschienen in: das Orchester 12/2018 , Seite 79

Der deutsch-russische Komponist und Pianist André Parfenov, so heißt es im Booklet dieser Veröffentlichung, begegne mit seiner Arbeit großen Kollegen der Musikgeschichte „auf Augenhöhe“, indem er eine Relektüre von deren Werken vornehme. Dabei nutze er einzelne Themen und forme daraus neue Stücke, wobei von den Originalkompositionen manchmal mehr, manchmal weniger erhalten bleibe und in einzelnen Fällen auch eine völlige Loslösung von der Vorlage zu beobachten sei.
Der Versuch, solche mehr oder minder freien Bearbeitungsverfahren durch Vergleiche aus dem Schaffen von Komponisten wie Schumann oder Liszt adeln zu wollen, geht jedoch in die Irre: Denn Parfenov bedient sich bequem eines satztechnischen Baukastens voller musiksprachlicher Mittel aus anderen Zeiten, ohne seine eigene historische Position überhaupt jemals zu reflek­tieren (wie dies etwa Szymanowski und Dallapiccola bei ihrem Umgang mit Paganinis Capricen taten).
Ganz gleich, ob er sich dabei der Einfälle Paganinis, Rachmaninows oder Tschaikowskys bedient oder den kompositorischen Stil Liszts nachzuempfinden sucht – die Probleme sind überall ähnlich: Die Wahl bestimmter Ausdruckshaltungen ist ausschließlich auf die Möglichkeiten zu deren emotionalisierendem Einsatz ausgerichtet und geht zudem mit einem stark simplifizierenden Zugang zum jeweiligen Vokabular einher, was etwa in den Rahmensätzen der (ohne Bezug auf irgendwelche Vorlagen komponierten) Werner-Rahm-Suite zum Eindruck eines wilden Mixes aus den Best-of-Momenten der französischen Musikgeschichte zwischen 1880 und 1920 führt.
Das eigentliche Problem der resultierenden Gebilde ist nicht nur ihr mangelndes Timing, sondern auch die Voraussagbarkeit musikalischer Verläufe: Sie präsentieren sich als Aneinanderreihung „schöner Momente“, die so lange umgewendet und wiederholt werden, bis jeder Effekt seine Wirkung verliert. Man muss Parfenovs Partnerin Iuliana Münch ob ihrer Versuche bewundern, diesen überraschungslosen Stücken musikalisches Leben einzuhauchen.
Allerdings bleibt auch die interpretatorische Seite unbefriedigend, da sich das Duospiel eher als Nebeneinander zweier Instrumente, denn als ausgefeilte Kommunikation zweier Musiker präsentiert: Zwar ist die Geigerin – sieht man einmal von dem leider nicht immer intonationssicheren Doppelgriffspiel ab – technisch sicher, doch neigt ihr Vortrag vorwiegend zur Wahl eines ausdrucksgesättigten und emphatischen Spiels, das, der Machart der Musik entsprechend, auf eine emotionale Überwältigung der Zuhörer zielt, von den Möglichkeiten einer differenzierenden Feingestaltung jedoch kaum Gebrauch macht.
Momente der Verzauberung fehlen selbst dort, wo Münch, wie im solistischen Teil zu Beginn der Danse macabre-Paraphrase nach Saint-Saëns, ohne das Korsett des Klaviersatzes musiziert. Dieser ziemlich abwechslungslose Zugang zu einer meist eindimensionalen Musik macht das Hören der Produktion manchmal zu einer recht mühseligen Angelegenheit.
Stefan Drees