Werke von Karl Amadeus Hartmann, Mieczyslaw Weinberg und Dmirti Shostakovich

Wartime Consolations

Linus Roth (Violine), José Gallardo (Klavier), Württembergisches Kammerorchester Heilbronn, Ltg. Ruben Gazarian

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Challenge Classics CC72680
erschienen in: das Orchester 11/2015 , Seite 82

Seit seinem Tod 1996 ist Mieczys­law Wein­berg der kom­pos­i­torische Durch­bruch gelun­gen, sei es durch seine zahlre­ichen Sin­fonien, die Oper Die Pas­sagierin op. 97 oder ver­schiedene Kam­mer­musik­w­erke. Nach­dem Linus Roth und José Gal­lar­do für Chal­lenge das kom­plette Werk Wein­bergs für Vio­line und Klavier auf drei SACDs einge­spielt haben, leg­en sie hier eine weit­ere CD-Pre­miere nach, den 1945 unvol­len­det gebliebe­nen Kopf­satz ein­er Vio­lin­sonate von Dmitri Schostakow­itsch. So inter­es­sant dieser Reper­toireaußen­seit­er sein mag, so kann doch die vor­liegende Inter­pre­ta­tion kaum als Ref­eren­zein­spielung beze­ich­net wer­den – Roths Klang ist allzu bril­lant, zu wenig der Musik unter­ge­ord­net. Auch scheint es, dass Gal­lar­do absichtlich von der Auf­nah­me­tech­nik etwas in den Hin­ter­grund gerückt wurde, sodass nicht durchge­hend von gle­ich­berechtigt kam­mer­musikalis­chem Musizieren die Rede sein kann.
Alle weit­eren Pro­gramm­punk­te sind Werke mit Orch­ester. Im Zen­trum ste­hen Wein­bergs Con­certi­no op. 42 für Vio­line und Stre­ich­er (1948) und Karl Amadeus Hart­manns Con­cer­to funèbre aus dem Jahr 1939. Die Kop­plung erweist sich zwar als stim­mig, doch im Gesamt­ge­füge der SACD nicht wirk­lich aus­ge­wogen (hier erweist sich als nachteilig, dass Roth Wein­bergs Vio­linkonz­ert schon 2014 vorgelegt hat, gekop­pelt mit dem Vio­linkonz­ert Ben­jamin Brit­tens). Wein­bergs essen­ziell lyrisches, sich aber expres­siv steigern­des Werk mit „jid­dis­chem“ Ein­schlag und ein­deutigem Schostakow­itsch-Ein­fluss im Finale ist gle­ich­wohl nicht Hart­manns epochalem Werk gle­ichgewichtig. Hier gelingt Roth vielle­icht auch die größte Ein­heit von Ton und Gehalt – die Inter­pre­ta­tion wirkt wie aus einem Guss, emo­tion­al voll aus­ge­füllt und mit der genü­gen­den Zeit aus­gear­beit­et und gereift.
Kom­plet­tiert wird die Pro­duk­tion durch Wein­bergs Rhap­sodie über Moldaw­is­che Volk­s­the­men op. 47 Nr. 3 aus dem Jahr 1949, in ein­er Fas­sung mit Orch­ester von Eweli­na Now­ic­ka, an Stelle ein­er ver­mut­lich ver­schol­lenen orig­i­nalen Orch­ester­fas­sung. Ein­er­seits bietet Roth raf­finiertes, dynamisch aus­gereiftes Spiel dar, greift aber immer wieder auf viel Por­ta­men­to zurück, um so offen­bar beson­ders viel Emo­tion zu evozieren. Dass die Musik dies eben­so wenig nötig hat wie der Sonaten­satz von Schostakow­itsch, bewirkt, dass der Effekt gele­gentlich gewollt wirkt, nicht zutief­st musikalisch emp­fun­den.
Das Würt­tem­ber­gis­che Kam­merorch­ester Heil­bronn unter Ruben Gazar­i­an ist in allen drei Werken gle­icher­maßen inspiri­ert und tech­nisch ver­siert mit von der Par­tie, trifft den Ton der Kom­po­si­tio­nen sog­ar durchgängig pointiert­er als der Solist. Die Auf­nah­me­tech­nik ermöglicht außeror­dentliche Durch­hör­barkeit und Klarheit.
Jür­gen Schaar­wächter