Elfi Vomberg

Wagner-Vereine und Wagnerianer heute

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Königshausen & Neumann
erschienen in: das Orchester 12/2018 , Seite 65

Die Autorin Elfi Vomberg promovierte im interdisziplinären Studiengang „Musik und Performance“ der Universität Bayreuth. In ihrer aufschlussreichen Dissertation beschäftigt sie sich eingehend mit dem gewichtigen Komplex Wagner-Vereine und Wagnerianer heute. Dabei ergeben sich neue Erkenntnisse. Japan rückt eindeutig ins Zentrum des allgemeinen Interesses; allerdings wird Wagner in Japan in der breiten japanischen Bevölkerung schlecht aufgenommen, so die Autorin. Sie moniert, dass Wagner als Komponist für Japaner im Grunde genommen zu aufdringlich sei.
In ihrer Dissertation geht Vomberg auch darauf ein, wie der Richard-Wagner-Verband zur Ersatzfamilie mutiert, was vor allem für die Jahre der Neugründung dieses Verbands zu Beginn des 20. Jahrhunderts gilt. Für die Geburtstage von Wieland, Wolfgang und Winifred Wagner sammelte man sogar Geld. Gleichzeitig galt der Ver­band von Anfang an als elitäre und exklusive Gemeinschaft. Der Wagnerianer sticht dabei als bedingungsloser Anhänger immer wieder deutlich hervor und gilt zeitweise sogar als religiöser Fanatiker, so die Autorin nüchtern. Das Festspielhaus wird als Kathedrale empfunden, „wo eingefleischte Wagnerianer Leitmotive kifften“. Amüsant zu lesen ist das Kapitel „Der Wagnerianer als Witzfigur“. Vomberg macht dabei deutlich, wie die Kennerschaft der Wagnerianer auch ins Lächerliche gezogen und angezweifelt wurde.
Streng geht die Autorin mit dem Thema Nationalsozialismus im Zusammenhang mit dem Wagner-Kult um. Von einem demokratischen Neuanfang im Neu-Bayreuth der Nachkriegszeit könne keine Rede sein, der Richard-Wagner-Verband hätte, so Vomberg, keine klare Abgrenzung zur Problematik der Hitler-Zeit geschafft. Die Mitglieder des Verbands werden allerdings dazu angehalten, über das Thema Antisemitismus Stillschweigen zu bewahren. Dieses Problem sollte differenzierter betrachtet werden und kommt in Vombergs Arbeit etwas zu kurz.
Aufschlussreich ist bei dieser ungewöhnlichen Dissertation in jedem Fall, dass die Wagnerianer in verschiedenen Studien im Rahmen einer subtilen Topografie der Wagner-Vereine selbst zu Wort kommen. So zitiert die Autorin beispielsweise: „Ich weigere mich, diesen Irrsinn von Castorf nachzuvollziehen. Der sagt doch nur ,Deren Pathos zieh ich in den Dreck‘. Die Krokodile bumsen die ganze Zeit auf der Bühne – nächstes Jahr haben wir dann sieben von denen auf der Bühne. Das ist doch das ästhetische Niveau einer Soap Opera!“
Fazit: Alles in allem ist es eine überaus gründliche und mit ihren gut 263 Seiten sehr lesenswerte Arbeit. Neben vielem anderen erfährt man, dass die amerikanischen Mitglieder als enthusiastische Kenner mit einem ausgeprägten Detailwissen aufwarten. <
Alexander Walther