Mozart, Wolfgang Amadeus

Violin Concertos Nos. 2 & 5 / Sinfonia Concertante

Frank Peter Zimmermann (Violine), Antoine Tamestit (Viola), Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, Ltg. Radoslaw Szulc

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Hänssler Classic HC15042
erschienen in: das Orchester 10/2016 , Seite 66

Eigentlich über­rascht es nicht, dass sich Frank Peter Zim­mer­mann auch im zweit­en Teil sein­er Ein­spielung konz­er­tan­ter Werke Wolf­gang Amadeus Mozarts als ger­adezu ide­al­er Inter­pret erweist. Dies­mal reicht er die bei­den Konz­erte KV 211 und 219 nach und ergänzt sie – was beson­ders erfreulich ist – um eine Auf­nahme der Sin­fo­nia con­cer­tante KV 364, der er sich gemein­sam mit seinem ständi­gen Stre­ichtri­opart­ner Antoine Tamestit wid­met.
Was bere­its den im ver­gan­genen Jahr erschiene­nen ersten Teil aus­machte, bes­timmt auch die vor­liegende Pro­duk­tion: Zim­mer­manns ganz dem Gedanken der Kantabil­ität verpflichtete Lesart der Vio­linkonz­erte strotzt vor faszinieren­den Details und bewahrt trotz der Vor­liebe des Geigers für einen sinnlichen Vibra­to-Ton­fall eine ger­adezu bestechende Klarheit. Dies hängt mit der Sorgfalt zusam­men, die Zim­mer­mann bei der For­mung jed­er einzel­nen Phrase an den Tag legt, wodurch er selb­st den unschein­barsten Wen­dun­gen oder beglei­t­en­den Fig­u­ra­tio­nen artiku­la­torische Abstu­fun­gen ein­schreibt, die sich let­zten Endes als musikalis­che Sin­nträger erweisen.
Während sich das D-Dur-Konz­ert durch frische Tem­pi und ver­stärk­te Präg­nanz des Boge­nansatzes ausze­ich­net – hör­bar bere­its in Zim­mer­manns Wieder­gabe des ein­fachen, kräftig in den Klan­graum geset­zten Kopf­satzthe­mas –, über­rascht das A-Dur-Konz­ert durch einige aus dem Kon­text der Inter­pre­ta­tion her­aus entwick­elte agogis­che Wen­dun­gen. Ger­ade an den hier­von betrof­fe­nen Stellen offen­baren sich Kam­merorch­ester und Diri­gent zwar als adäquat reagierende Part­ner des Solis­ten; doch kön­nte der generell sehr kom­pakt wirk­ende Orch­esterk­lang mitunter eine stärkere Bin­nen­dif­feren­zierung oder auch – wie im recht zahn­los darge­bote­nen „alla turca“-Teil des A-Dur-Final­ron­dos – wesentlich mehr Biss ver­tra­gen.
Dass die Far­ben von Bläsern und Stre­ich­ern in der Sin­fo­nia con­cer­tante durch­weg fein­er geset­zt sind, macht diese Kom­po­si­tion auch von der orches­tralen Aus­führung her zum Höhep­unkt der CD. Zim­mer­mann und Tamestit musizieren vor diesem Hin­ter­grund unge­mein span­nungsre­ich, was sich etwa in all jenen vom Gesang ins Deklam­a­torische gewen­de­ten Momenten abze­ich­net, mit denen bei­de Musik­er zu Beginn der Kopf­satz-Durch­führung den musikalis­chen Ver­lauf aufhal­ten, die Dis­so­nanzrei­bun­gen in den Kaden­zen auskosten oder vor allem den Klagecharak­ter des affek­tre­ichen Mit­tel­satzes agogisch ver­stärken. Ger­ade auf­grund solch­er in ständi­gem Wech­sel­spiel eingestreuter Frei­heit­en mutet die Wieder­gabe von KV 364 über weite Streck­en hin­weg wie eine aus dem Augen­blick her­aus entste­hende Dialogsi­t­u­a­tion an, wodurch das Werk musikalisch weit über die Vio­linkonz­erte hin­auswächst. Erfrischend ist schließlich das rasche Tem­po, mit dem die Musik­er den Final­satz anstim­men und dem Werk damit ein ger­adezu leicht­füßiges Ende ver­lei­hen.
Ste­fan Drees