Mozart, Wolfgang Amadeus

Violin Concertos Nos. 1, 3, 4 / Rondo K. 373 / Adagio K. 261

Frank Peter Zimmermann (Violine), Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, Ltg. Radoslaw Szulc

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Hänssler Classic 98.039
erschienen in: das Orchester 07-08/2015 , Seite 73

Aus sein­er Liebe zur Musik Mozarts macht Frank Peter Zim­mer­mann kein Geheim­nis: Auf­nah­men der Mozart’schen Werke ziehen sich durch seine gesamte Kar­riere – man denke nur an die auch heute noch aufre­gende Ein­spielung der Sonat­en, die der junge Musik­er in den 1980er Jahren gemein­sam mit Alexan­der Lon­quich gemacht hat, aber auch an die 2011 veröf­fentlichte Inter­pre­ta­tion des Stre­icher­di­ver­ti­men­tos Es-Dur KV 563 mit dem Zim­mer­mann-Trio. Kon­se­quent erscheint daher die Entschei­dung des Geigers, sich in ein­er neuen Edi­tion den Werken für Vio­line
und Orch­ester zu wid­men.
Zim­mer­mann ist zwar beileibe kein Ver­fechter der his­torisch informierten Auf­führung­sprax­is, weiß aber den­noch Tonge­bung und Vibra­to gekon­nt – und weitaus bess­er als dies etwa in der klan­glich viel weniger dif­feren­zierten Neuauf­nahme Ara­bel­la Stein­bach­ers der Fall ist – an die feinen Tex­turen von Mozarts Musik anzu­passen. Wie sub­lim und detail­re­ich sein Zugang ist, ohne dabei der vor allem in der Kun­st der Bogen­führung ver­ankerten kräfti­gen Momente zu ent­behren, wird deut­lich, wenn man der sorgfälti­gen For­mung der Kopf­satzthe­men, den Phrasierun­gen inner­halb der langsamen Sätze, der Abstu­fung der Dynamik bei sequen­zieren­den Pas­sagen oder der genauen Gestal­tung schein­bar neben­säch­lich hinge­wor­fen­er Sechzehn­tel­pas­sagen lauscht. Zu welchen Höhep­unk­ten es dabei kommt, beweisen Pas­sagen wie die zweite Episode aus dem Final­ron­do von KV 216, wo die Ent­fal­tung des Soloparts über einem Bett aus ineinan­der­greifend­en Stre­icher­pizzi­cati einen regel­recht­en Aha-Effekt erzeugt.
Man mag es demge­genüber ein wenig bedauern, dass der geschmack­vollen Umset­zung der Werke nicht auch auf eine adäquatere Wahl von Kaden­zen entspricht. Leicht kön­nte man sich näm­lich passendere – vielle­icht auch eigene – Beispiele vorstellen als etwa Joseph Joachims Kadenz zu KV 218, die auf­grund ihrer roman­tis­chen Emphase stilis­tisch nicht so recht zur inter­pre­ta­torischen Annäherung Zim­mer­manns passen will. Die Diskrepanz zeigt sich hier und in den Kaden­zen der übri­gen Werken immer dann, wenn eine Art von Vir­tu­osität einge­fordert wird, die den Konz­erten selb­st fremd ist, wodurch sich auch im Zugriff Zim­mer­manns ein gewiss­er Bruch zum Mozart’schen Ton­fall ergibt.
Eine Spur zu auf­dringlich wirkt vor allem im frühen B-Dur-Konz­ert KV 207 auch der Orch­esterk­lang: In den beglei­t­en­den Pas­sagen der Rah­men­sätze ger­at­en die Stre­ich­er zu kom­pakt, während beispiel­sweise die dynamisch unter­stützte Ausar­beitung von impuls­geben­den Tak­tschw­er­punk­ten in der Kopf­satz­durch­führung von KV 216 außeror­dentlich gut gelingt. Dies sind jedoch mar­ginale Fest­stel­lun­gen, die nichts daran ändern, dass Zim­mer­mann mit dieser CD den ersten Teil ein­er run­den und inter­pre­ta­torisch überzeu­gen­den Gesam­tauf­nahme der konz­er­tan­ten Kom­po­si­tio­nen Mozarts vorgelegt hat.
Ste­fan Drees