Wranitzky, Anton & Paul

Violin Concerto op. 11 / Cello Concerto op. 27 / Symphony op. 16/3

Veriko Tchumburidze (Violine), Chiara Enderle (Violoncello), Münchener Kammerorchester, Ltg. Howard Griffiths

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Sony Classical 88875127122
erschienen in: das Orchester 09/2016 , Seite 66

Ein schöner Start für Chiara Enderle und Veriko Tchumburidze! Die beiden zählen zu jenen Auserwählten, die dank der Orpheum Stiftung zur Förderung junger Solisten die Chance für einen repräsentativen Konzertauftritt erhalten haben und ihr Talent gemeinsam mit renommierten Dirigenten und Orchestern optimal vorstellen konnten. Und sie hatten überdies das Glück, dass das 25-jährige Bestehen der Stiftung 2015 mit dem Auftakt zu einer CD-Reihe gefeiert wurde, die ihnen erste Erfahrungen im Aufnahmestudio sowie die internationale Präsentation ihres Repertoires ermöglichte. Und so war für sie die Probenatmosphäre und die Zusammenarbeit mit dem Münchener Kammerorchester unter Howard Griffiths ein unvergessliches Erlebnis und die Begegnung mit den Werken eine Herausforderung voller Überraschungen.
Die Halbbrüder Paul (1756-1808) und Anton (1761-1820) Wranitzky aus dem mährischen Neureisch zählten zu jenen Musikern, die zu Hunderten ihre Heimat verließen und in Mannheim, Berlin und Paris, in Italien und vor allem in Wien eine neue Existenz fanden und nicht selten schulebildend wirkten. Paul studierte zunächst Theologie, Anton Philosophie und Jura, doch dann verschrieben sie sich der Musik. In Wien nahmen sie Unterricht bei Joseph Martin Kraus bzw. bei Mozart und Haydn; sie wurden Musiker in der Hofkapelle des Fürsten Lobkowitz bzw. der des Grafen Esterházy, und sie erlangten Erfolg und Einfluss als Geiger, Konzertmeister und Komponisten am Kärntnertortheater und am Burgtheater bzw. im Orchester der Hofoper und am Theater an der Wien. Sie konnten die Zeitgenossen mit ihrem umfangreichen Schaffen beeindrucken; die „Revolutions-Sin­fonie“ von Paul wurde gar als politische Provokation empfunden und die Aufführung 1793 verboten.
Wie sehr sie von den Wiener Meistern zehrten und wie stark die tschechische Musik ihre Individualität geprägt hat, das zeigen auch die Werke und deren faszinierende Einspielung auf dieser CD. Das Violinkonzert C-Dur (1803) von Anton Wranitzky gewinnt aus dem umfangreichen und kontrastvollen Kopfsatz, dem innigen Gesang der Romanze und den federnden Polonaisenrhythmen des Rondo-Finales seinen Reiz, den Veriko Tchumburidze mit Brillanz, Tonschönheit und feinem Geschmack hinreißend zur Geltung bringt.
Paul Wranitzkys Cellokonzert (1894) mit seinen Finessen der Form und der Harmonik, seinem eleganten Charme und der Nähe zu Haydn und Boccherini findet in Chiara Enderle gleichfalls eine Interpretin, die den Zauber dieser Musik souverän, spielfreudig und vielfältig auszukosten vermag. Die D-Dur Sinfonie (1792) hinterlässt vor allem mit ihrem konduktartigen Mittelsatz großen Eindruck. Hier sowie als engagiert konzertierende Begleiter sorgen Howard Griffiths und seine Musiker für eine bestechende Leichtigkeit und Transparenz des Musizierens und überdies dafür, dass diese CD für die Künstlerinnen zu einer glänzenden und vielversprechenden Visitenkarte wird.
Eberhard Kneipel