Knudåge Riisager

Violin Concerto – Etudes

Ian van Rensburg (Violine), Aarhus Symphony Orchestra, Ltg. Andreas Delfs

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Dacapo 8.226145
erschienen in: das Orchester 07-08/2019 , Seite 68

In Deutsch­land ist die Musik des dänis­chen Kom­pon­is­ten Knudåge Riis­ager (1897–1974) noch kaum bekan­nt. Das ändert sich vielle­icht durch diese neue CD, die zwei sein­er wichtig­sten Orch­ester­w­erke enthält. Im Mit­telpunkt ste­ht seine 1947 ent­standene Bal­lettmusik Etudes nach Klavieretü­den von Carl Czerny. Er wollte darin nach eigen­er Aus­sage den war­men Humor, das Augen­zwinkern und die direk­te Ehrlichkeit der Czerny-Etü­den her­ausar­beit­en, „so prick­el­nd wie der Sprudel im Min­er­al­wass­er“, wobei er Motive und Ideen aus den Orig­i­nalen frei ver­wen­dete und erweit­erte. Er wollte diese musikalis­che Welt aus ein­er eige­nen Per­spek­tive sehen, sowohl ihre Ruhe und Klarheit respek­tieren als auch sie in die neuere Zeit trans­portieren.

Riis­ager ging mit dem älteren Mate­r­i­al also ver­gle­ich­bar um wie zuvor die Kol­le­gen Mau­rice Rav­el, Ottori­no Respighi, Igor Straw­in­sky und Sergej Prokof­jew, zeigt aber eine deut­liche per­sön­liche Fär­bung. Das Bal­lett von Har­ald Lan­der wurde ein inter­na­tionaler Erfolg und die Par­ti­tur somit zu Riis­agers meis­taufge­führter. Selb­stver­ständlich erklingt auch hier die dritte und endgültige Fas­sung, die für ein Gast­spiel 1952 in Paris ent­stand: der ursprüngliche Satz „Pas de trois“ wurde durch einen „Pas de deux roman­tique“ erset­zt, der Schlusssatz „Store spring“ (Große Sprünge) endet auf Wun­sch der Fran­zosen nun nicht mehr mit einem Decrescen­do, son­dern repräsen­ta­tiv. Vor die kurzweilige Bal­lettmusik hat die CD noch das etwas sprödere Konz­ert für Vio­line und Orch­ester op. 54 (1951) geset­zt. Es ist unkon­ven­tionell vor allem darin, dass es nur zwei Sätze hat: auf den fast wie impro­visiert wirk­enden, eher ruhi­gen ersten Satz fol­gt ein durch­weg leb­hafter zweit­er in lock­er­er Sonaten­form. Dies ist zugle­ich Riis­agers wohl per­sön­lich­stes Werk, denn in sein­er Jugend hat­te der Kom­pon­ist selb­st Geige gespielt. Es ist gle­ich­falls meis­ter­haft instru­men­tiert.

Das 1935 gegrün­dete Sin­fonieorch­ester von Däne­marks zweit­größter Stadt Aarhus (das in einem der besten Konz­ert­säle der Welt behei­matet ist, wo auch diese Auf­nahme ent­stand) wirkt unter der Leitung des deutschen Diri­gen­ten And­reas Delfs dur­chaus spiel­freudig und klangschön, aber nicht immer präzise und pointiert. Man kann hier diese Musik sehr gut ken­nen­ler­nen – und sich dann als Diri­gent oder Orch­ester inspiri­eren lassen, es noch bess­er zu machen. Ein Ereig­nis ist der Solist Ian van Rens­burg, denn der Konz­ert­meis­ter des Aarhuser Klangkör­pers – der in New York bei Dorothy Delay und in Wien bei Ger­hard Schulz studierte – ver­fügt über eben jenes zwin­gende große Charis­ma, das hier benötigt wird. Nur wenige Geiger haben eben auch eine Begabung zum Enter­tain­er wie der Wid­mungsträger Wandy Tworek.

Ingo Hod­dick