Robert Schumann - Johannes Brahms

Violin Concerto — Double Concerto

Antje Weithaas (Violine), Maximilian Hornung (Violoncello), NDR Radiophilharmonie, Ltg. Andrew Manze

Rubrik: CDs
Verlag/Label: cpo
erschienen in: das Orchester 01/2020 , Seite 73

Die NDR Radio­phil­har­monie wird seit 2014 von ihrem Chefdiri­gen­ten Andrew Manze geleit­et. Der Geiger, der sich vor sein­er Diri­gen­tenkar­riere als Solist Alter Musik einen bedeu­ten­den Namen gemacht hat, bek­lei­dete seit den späten 1980er Jahren den Posten des Konzertmeis­ters von Ton Koop­mans Ams­ter­dam Baroque Orches­tra, danach leit­ete er für einige Jahre das Eng­lish Con­cert und seit 2006 war er dem Hels­ing­borg Sym­pho­ny Orches­tra als Chefdiri­gent ver­bun­den. Die NDR Radio­phil­har­monie kon­nte er gle­ich mit ihrer ersten CD-Pro­duk­tion (Mendelssohn-Sin­fonien) im Jahr 2017 zur Ausze­ich­nung mit dem Jahre­spreis der Deutschen Schallplat­tenkri­tik führen.
Ob sich die jüng­ste CD-Veröf­fentlichung mit Schu­manns Vio­linkonz­ert d‑Moll WoO 1 und Brahms’ Dop­pelkonz­ert a‑Moll op. 102, aufgenom­men bere­its im März 2017, als eben­so preiswürdig erweist, wird sich zeigen. Antje Wei­thaas wurde in bei­den Werken der Vio­lin­solopart anver­traut, in Brahms’ Dop­pelkonz­ert trat noch der Cel­list Max­i­m­il­ian Hor­nung hinzu.
Andrew Manze gelingt es in Brahms’ Dop­pelkonz­ert zusam­men mit den Solis­ten überzeu­gend, eine in gewiss­er Hin­sicht fast schon kam­mer­musikalis­che Atmo­sphäre zu schaf­fen. Dem Orch­ester­part kon­nte er in den Eck­sätzen die hier oft gehörte las­tende klan­gliche Schwere weit­ge­hend nehmen, ohne damit in Wider­spruch zur musikalis­chen Gedanken­führung zu kom­men. Elastisch gehal­ten, span­nungsvoll aus­geleuchtet, hoch dif­feren­ziert, sehr durch­sichtig und in feinsin­nig aus­tari­ert­er Bal­ance im Miteinan­der zu den bei­den Solis­ten, die selb­st alles Über­zo­gene mei­den, bekommt man dank der weit­en emo­tionalen Aus­drucks­bre­ite, der nuancierten Tonge­bung und des wachen Dial­o­gisierens der Solis­ten untere­inan­der wie mit dem Orch­ester Brahm’ Dop­pelkonz­ert in ein­er sehr ansprechen­den Inter­pre­ta­tion zu hören. Im Mit­tel­satz, leicht und trans­par­ent aufge­fächert im Ton­fall, sen­si­bel aus­geleuchtet in der Zeich­nung, ist die weiche Verblendung der Soli mit dem Orch­ester und seinen exquis­iten Holzbläsern her­vorzuheben.
Ganz so überzeu­gend fällt die Herange­hensweise der Inter­pre­ten an Schu­manns Vio­linkonz­ert d‑Moll nicht aus. Im Kopf­satz, dem es ein wenig an Trans­parenz man­gelt, wobei man sich im Orch­ester­satz auch eine dezen­ter gehand­habte Gewich­tung der Stimm­führung gewün­scht hätte, kann Wei­thaas nicht völ­lig für sich ein­nehmen. Nicht immer ganz eben­mäßig in der melodis­chen Aus­for­mulierung nimmt die Solistin zudem zusam­men mit dem Orch­ester den Ton mitunter so weit ins absolute Pianis­si­mo zurück, dass Undeut­lichkeit und Ver­luste des Aus­drucks die Folge sind. Im Mit­tel­satz, dem bere­its ein ergreifend­es Moment seel­is­ch­er Erschüt­terung eignet, möchte Wei­thaas der fahlen Melodieführung durch reich­lich­es Vibra­to eine kaum angemessene lyrische Über­höhung über­stülpen. Der Final­satz, frei auss­chwin­gend im Vio­lin­so­lo und akzen­tre­ich im Orch­ester­satz, lässt dage­gen keine Wün­sche offen.
Thomas Bopp