Johann Sebastian Bach

Trumpet Concertos

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Ltg. und Trompete Matthias Höfs

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Berlin Classics
erschienen in: das Orchester 03/2020 , Seite 65

In Johann Sebastian Bachs überlieferten Werken finden sich umfangreiche und reizvoll zu musizierende Trompetenpartien, ein wirkliches Konzert für Trompete schrieb der Komponist allerdings nicht. Anders als bei Wolfgang Amadeus Mozart, der in einem Brief ein aus seiner Feder stammendes Trompetenkonzert erwähnt, welches allerdings bis dato verschollen ist, existieren bei Bach keine derartigen Hinweise. Und das, obwohl Bach, der bekanntlich gerne Musik für Familienmitglieder schrieb, mit seinem Schwiegervater Johann Caspar Wilcke (Hoftrompeter in Weißenfels und Vater von Bachs zweiter Ehefrau Anna Magdalena) einen überaus kompetenten Trompeter in der Verwandtschaft hatte.
So bleibt den großen Solisten unserer Zeit neben dem Brandenburgischen Konzert Nr. 2, in welchem die Trompete mit Flöte, Oboe und Solovioline im Mittelpunkt steht, nur die Alternative, andere Instrumentalkonzerte Bachs zu bearbeiten. Diesen Weg hat Matthias Höfs für sich gewählt.
Nachdem der Professor für Trompete (Hochschule für Musik und Theater Hamburg) in seinem 2017 erschienenen Tonträger Trompetenkonzerte (Berlin Classics) seine Hörer mit Originalwerken, aber auch mit Arrangements der Werke Georg Philipp Telemanns verzauberte, finden sich in seiner neuen Veröffentlichung ausschließlich Bearbeitungen der bekanntesten Solokonzerte Johann Sebastian Bachs.
Als ein Standardwerk der hier vorliegenden Interpretationen gilt das Konzert D-Dur BWV 972 nach RV 230, das sogenannte Bach-Vivaldi-Konzert, im Original für Violine und Streicherbegleitung. Solist und Orchester wählen im letzten Satz ein beeindruckend rasantes Tempo. Ein ebenfalls beliebtes Repertoirestück ist das Konzert d-Moll BWV 974 nach Alessandro Marcello, welches ursprünglich für die Oboe als Soloinstrument geschrieben war. Der Solist verziert hier gekonnt und reichhaltig.
Sehr hörenswert sind neben dem ersten Satz des „Italienischen Konzerts“ F-Dur insbesondere das sehr innig musizierte Doppelkonzert d-Moll BWV 1060 sowie das Konzert in g-Moll BWV 1056/156. Matthias Höfs punktet wie immer mit einer lupenreinen Intonation und einer grandiosen Technik gepaart mit seinem unverwechselbaren Klang.
Mit ihrer Begleitung ist die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen uneingeschränkt auf Augenhöhe mit dem fabelhaften Solisten, interpretiert meisterhaft und trägt maßgeblich zum Gelingen dieses Projekts bei.
Matthias Höfs’ Intention, die Fachwelt mit seinem musikalischen Pioniergeist zu inspirieren und den Horizont der Trompete zu erweitern, geht auf: Er beweist mit seiner Bach-CD Trumpet Concertos wieder einmal sein großes Geschick, geeignete Stücke auszuwählen und so gekonnt für die moderne Trompete zu arrangieren, dass man fast glauben könnte, es mit Originalwerken zu tun zu haben.
Kristin Thielemann