Søren Hyldgaard

Tritonus

Konzert für Bassposaune und Orchester, Partitur 1. Druckfassung

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Edition Gravis / Leihmaterial
erschienen in: das Orchester 07-08/2019 , Seite 63

22 Minuten Musik für Bass­posaune und Orch­ester ver­spricht Tri­tonus. Kom­pon­ist Søren Hyldgaard, im ver­gan­genen Jahr im Alter von 57 Jahren ver­stor­ben und bekan­nt für seine Film­musiken, hat hier ein kraftvolles, unter­halt­sames und in der Posaune sehr vir­tu­os­es Werk vorgelegt. Avant­gardis­tis­che Musik ist dies nicht, aber sich­er eine Bere­icherung für manch­es Konz­ert­pro­gramm. Der Musik liegt ein Kom­po­si­tion­sauf­trag des Staat­sthe­aters Braun­schweig zugrunde – das Staat­sor­ch­ester Braun­schweig und Posaunist Ste­fan Schulz, Mit­glied der Berlin­er Phil­har­moniker und Pro­fes­sor an der Uni­ver­sität der Kün­ste Berlin, spiel­ten im ver­gan­genen Jahr die Urauf­führung.

Mit ein biss­chen Dampf in den Stre­ich­ern (Sechzehn­tel im Quint­raum, rauf und runter) und lan­gen hohen Tönen der Holzbläs­er startet die Solo­posaune flott (Alle­gro mis­te­rioso, Vier­tel = 130) schon im acht­en Takt mit synkopiert­er, aufwärts streben­der Phrase, assistiert von den Blech­bläsern des Orch­esters. Stre­ich­er und Holzbläs­er beg­nü­gen sich vor­erst mit Ein­wür­fen. Ein effek­tvoller Beginn! Wenn nach weni­gen Tak­ten die Bass­posaune wieder schweigt, wirft die Harfe, kon­trastvoll gewählt, ein paar abwärts fließende Achtel ein, die Stre­ich­er erwachen nacheinan­der zu neuem Leben und die Hörn­er entwick­eln sich eine Zeit lang mit ihren immer­währen­den Achteln zu Impuls­ge­bern der fröh­lich und agil bald wieder losstür­menden Bass­posaune.

Der Satz wird dichter, das Tem­po bleibt flott und schon beim Durch­blät­tern der Par­ti­tur meint man, die bun­ten Far­ben Hyldgaards zu hören: ein paar Töne des Glock­en­spiels, recht exponiert, ein wenig Marim­ba, immer wieder Ein­würfe der Holzbläs­er. Nach vor­läu­figem Höhep­unkt (Ton­rep­e­ti­tio­nen der Blech­bläs­er im For­tis­si­mo) klingt es vor­erst aus. Recht ruhig (mit ein­er kleinen kom­ponierten Kadenz der Bass­posaune zu Beginn) geht es bald schon weit­er. Die nun san­ft säusel­nde Bass­posaune wird später durch die Stre­ich­er belebt, die Blech­bläs­er wer­fen Tri­olen ein: Hyldgaard mod­el­liert sein Mate­r­i­al ständig und ver­mei­det Still­stand. Die Bass­posaune muss nun im Piano rauf bis zum notierten a”’ (später geht es noch ein wenig höher), im flot­ten Tem­po und mit häm­mern­den tri­olis­chen Ton­rep­e­ti­tio­nen der Stre­ich­er geht es weit­er. Rhyth­misch trotz­dem niemals ver­trackt wird der Satz dichter, wobei kleine Fig­uren und Ton­rep­e­ti­tio­nen über­wiegen.

Hyldgaard nutzt gezielt die unter­schiedlichen Klang­far­ben der ­Instru­mente in den kurzen Soli. Gock­en­spiel und Horn leit­en über zu einem neuen Ein­fall: Ada­gio triste (Vier­tel = 64) mit hüb­schen Arpeg­gien der Harfe, san­ft schnur­ren­der Bassklar­inette (über einem eben­so schnur­ren­den Fagott) und leisen, end­los lan­gen Tönen der Stre­ich­er. Drän­gend schraubt sich die Bass­posaune in höch­ste Regio­nen, einige Takt- und Tem­powech­sel fol­gen. Gegen Ende des Konz­erts wer­den die Par­tien der Bass­posaune tech­nisch nochmals anspruchsvoller, der Part dom­i­nan­ter. Hyldgaard hat hier ein saftiges, wohlüber­legtes, vir­tu­os­es Werk für die Bass­posaune geschaf­fen.

Heike Eick­hoff