Beethoven, Ludwig van

Triple Concerto/Symphony No. 5

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Sony Music 88725471762
erschienen in: das Orchester 04/2013 , Seite 70

Diese Beethoven-Auf­nahme schlägt eine weite Brücke vom Hud­son Riv­er bis an die Elbe. Sie ent­stand in New York, wo das Orch­ester The Knights seinen Sitz hat. Wesentlich ini­ti­iert ist sie aber von Jan Vogler, dem Cel­lis­ten und Inten­dan­ten der Dres­d­ner Musik­fest­spiele, der selb­st zwis­chen Big Apple und Elbflo­renz pen­delt. Vogler konz­ertiert seit eini­gen Jahren regelmäßig mit dem jun­gen, engagiert arbei­t­en­den Ensem­ble und lud es 2009 erst­mals zu den Musik­fest­spie­len nach Dres­den ein.
Es nimmt nicht wun­der, dass er auch auf dieser Beethoven gewid­me­ten CD mitwirkt: im Tripelkonz­ert für Klavier, Vio­line, Cel­lo und Orch­ester C‑Dur op. 56, des Meis­ters speziell­ster Konz­ertkom­po­si­tion. In ihr hat eigentlich das Cel­lo die schön­sten Stellen und dankbarsten Auf­gaben, so dass sich Jan Vogler hier blendend in Szene set­zen kann. Das freilich tut er nicht durch vir­tu­os­es Auftrumpfen, son­dern durch das opti­male Ein­binden in Stil und Geist dieser musikalis­chen Rit­ter aus der Neuen Welt.
The Knights, die von Eric und Col­in Jacob­son als Diri­gent bzw. Konz­ert­meis­ter geleit­et wer­den, sind kein Orig­i­nalk­lan­gensem­ble, wohl aber der his­torisch informierten Musizier­weise verpflichtet. Sie spie­len Beethoven in klein­er, kam­merorches­traler Beset­zung und weit­ge­hend ohne Vibra­to. Sie hal­ten sich an die Tem­pov­orstel­lun­gen des Kom­pon­is­ten – auch in der fün­ften Sin­fonie c‑Moll op. 67, dem anderen Stück auf diesem Sil­ber­ling, das in der­sel­ben Zeit ent­stand wie das Tripelkonz­ert.
Doch es geht dem Orch­ester und seinen Leit­ern nicht allein um eine Spiel­weise, die den Inten­tio­nen Beethovens möglichst nahe kommt. Sie wollen den Geist dieser Musik ver­mit­teln, ihre Visio­nen und Utopi­en, ihr humanes Ethos, aber auch – wie beim Konz­ert – ihre Spiel­freude, ihr dial­o­gis­ches Miteinan­der. Das Schöne an dieser erfrischen­den Auf­nahme ist, dass The Knights diesen Anspruch auch ein­lösen. Sie spie­len nicht nur bril­lant, son­dern eben auch immer mit einem spür­baren ideellen Hin­ter­grund und einem bren­nen­den Feuer der Men­schlichkeit.
Das gibt auch bei einem so bekan­nten Werk wie der Fün­ften der im Übri­gen außeror­dentlich span­nen­den Wieder­gabe eine beson­dere Ausstrahlung und Inten­sität. Eric Jacob­son am Pult weiß zudem durch indi­vidu­elle Akzente in der Klanggestal­tung und der Zeit­dis­po­si­tion sein­er Deu­tung ein eigenes, nicht sel­ten über­raschen­des Pro­fil zu ver­lei­hen.
Beim Tripelkonz­ert, bei dem neben Jan Vogler Konz­ert­meis­ter Col­in Jacob­son und der finnis­che Pianist Antti Siirala die anderen exzel­len­ten Solis­ten sind, überzeu­gen nicht zulet­zt das genaue Aufeinan­der­reagieren der Solis­ten und deren Har­monie im Klang, der wie der des Orch­esters immer schlank und sehr wand­lungs­fähig ist. Eine Beethoven-CD, die zu hören viel Freude macht und die ihre Botschaft aufs Beste zum Aus­druck bringt.
Karl Georg Berg