Ludwig van Beethoven

Triple Concerto op. 56/Trio op. 11

Anne Gastinel (Violoncello), Nicholas Angelich (Klavier), Gil Shaham (Violine), Andreas Ottensamer (Klarinette), hr-Sinfonieorchester, Ltg. Paavo Järvi

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Naïve
erschienen in: das Orchester 11/2018 , Seite 72

Es ist eine Bin­sen­weisheit, dass das ver­meintlich Leichte oft beson­ders schw­er zu real­isieren ist. Ein schla­gen­des Beispiel ist Beethovens Tripelkonz­ert. An der Ober­fläche wirkt es weniger anspruchsvoll und inno­v­a­tiv als die Klavierkonz­erte – gar nicht erst zu reden von den Sym­phonien. Die Ton­sprache gibt sich gut­ge­launt und unkom­pliziert, und for­mal besucht Beethoven ein zur Entste­hungszeit des Werks (1804) eigentlich schon abge­grastes Ter­rain, näm­lich das der Sin­fo­nia con­cer­tante.
Doch das Werk inter­pre­ta­torisch zusam­men­zuhal­ten, ist aus mehreren Grün­den nicht ein­fach. Da ist zum einen der for­male Auf­bau, der zwei aus­gedehnte Eck­sätze ein äußerst knappes Largo umschließen lässt, in dem die Solis­ten nur wenig Zeit haben, sich auszusin­gen. Außer­dem sind die drei Solopar­tien von unter­schiedlichem Schwierigkeits­grad: Die Klavier­stimme schrieb Beethoven für seinen Schüler Erzher­zog Rudolf – weswe­gen sie tech­nisch nicht allzu anspruchsvoll ger­at­en ist, im Gegen­satz zu den Par­tien für Geige und Cel­lo, die zum Teil recht unbe­quem in der Hand liegen.
Es benötigt also zur überzeu­gen­den Real­isierung des Tripelkonz­erts ein per­fekt aufeinan­der einge­spieltes Trio. Bei diesem Werk han­delt es sich let­ztlich um Kam­mer­musik auf größer­er Ebene. Genau dies ist es, was die drei Musik­er in der vor­liegen­den Ein­spielung prak­tizieren. Zwar han­delt es sich nicht um eine feste For­ma­tion, doch die Cel­listin Anne Gastinel und der Pianist Nicholas Angelich haben schon oft zusam­mengear­beit­et, und der Kon­takt mit dem Geiger Gil Sha­ham erwies sich, den im Bei­heft geäußerten Worten Gastinels zufolge, schon bei den Proben als äußerst frucht­bar. Und so ent­stand eine Part­ner­schaft, die sich als ger­adezu per­fekt erweist. Nie­mand spielt sich hier in den Vorder­grund, schon gar nicht Angelich, dessen Part ohne­hin vornehme Zurück­hal­tung erfordert. Die Bal­ance zwis­chen den Stim­men kann nur per­fekt genan­nt wer­den, und hinzu kommt eine spielerische Spon­tan­ität, die sicher­lich der Live-Sit­u­a­tion geschuldet ist; bei der Auf­nahme han­delt es sich um den Mitschnitt eines Konz­erts in der Alten Oper Frank­furt vom März 2015.
Natür­lich muss in diesem Zusam­men­hang auch der vierte kam­mer­musikalis­che Part­ner erwäh­nt wer­den, näm­lich das Orch­ester. Paa­vo Järvi ste­ht hier am Pult des hr-Sin­fonieorch­esters, und es gelingt ihm, durch schlanke Klangge­bung, per­fekt geset­zte Akzente und unge­mein flex­i­ble Agogik den Klangkör­p­er als sen­si­blen Mit­spiel­er der drei Solis­ten ins Spiel zu brin­gen, ihn zurück­ste­hen zu lassen, wenn dies ange­bracht ist, und den­noch nie zur bloßen Hin­ter­grund­be­gleitung verküm­mern zu lassen. Auf diese Weise kommt eine Inter­pre­ta­tion zus­tande, die gle­icher­maßen span­nend und entspan­nt ger­at­en ist und für die der Begriff Ref­erenz nicht zu hoch gegrif­f­en erscheint.
Bleibt nur noch zu erwäh­nen, dass auch Beethovens beigegebenes „Gassenhauer“-Trio gle­icher­maßen überzeu­gend musiziert ist – mit Andreas Otten­samer an der Klar­inette. <
Thomas Schulz