Johann Gottlieb Graun

Trio in c-Moll für zwei Violinen und Basso continuo

hg. von Klaus Hofmann

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Edition Walhall, Magdeburg
erschienen in: das Orchester 7-8/2026 , Seite 72

Von Johann Gottlieb Grauns Trio in c-Moll (WV C:XV:79) veröffentlichte der Ortus Musikverlag 2010 eine Ausgabe. Aber offenbar fand diese unter Musiker:innen wenig Beachtung. Soweit mir bekannt, gibt es von diesem Werk keine Einspielung. Deshalb ist es gut, dass sich nun Klaus Hofmann und die Edition Walhall dieses Werks annehmen; denn seine Aufführung im Konzert oder in der heimischen Kammermusik lohnt sich allemal.
Das Trio beginnt mit einem ausdrucksintensiven Adagio. Das Thema am Anfang wird von Chromatik geprägt, von Seufzerfiguren und einer Steigerung bis zu Zweiunddreißigstelfiguren. Die beiden Violinen spielen zunächst jeweils einzeln das Thema. Das weitere Zusammenspiel ist von einem gemeinsamen „Deklamieren“, Imitieren oder polyfoner Stimmführung geprägt. Dieses Duettieren wird durch einen Wechsel der Lautstärke bis hin zum Pianissimo im Sinne des empfindsamen Stils nuancenreich gestaltet. Der zweite Satz ist ein konzertant angelegtes Allegro moderato. Als Schlusssatz erklingt ein Scherzo von hohem rhythmischen Raffinement, das vom Gegensatz zwischen einem großflächig angelegten Motiv, in dem drei Zweivierteltakte hemiolisch zu einem großen Dreiertakt zusammengefasst werden, und kleinteiligen, nur halbtaktigen Motiven lebt.
Die von Klaus Hofmann herausgegebene Ausgabe erfüllt alle Ansprüche für Musiker:innen, die sich um eine historisch geschulte Aufführungspraxis bemühen. Das Vorwort führt in den musikgeschichtlichen Kontext ein und informiert über die Quellenlage, die durchaus erstaunlich ist: Die erste Ausgabe von Hugo Riemann stützte sich auf eine Abschrift von Johann Sebastian Bach, die allerdings leider im Zweiten Weltkrieg verloren ging. Doch da es weitere zeitgenössische Abschriften gibt, insbesondere eine Abschrift aus dem Nachlass von Grauns Lehrer Pisendel, konnte Hofmann eine Ausgabe erarbeiten, die nicht von Riemanns spätromantischen Eingriffen bestimmt ist, sondern den Notentext der ursprünglichen Quellen wiedergibt. Die wenigen Veränderungen durch den Herausgeber werden im Notentext markiert und detailliert im Revisionsbericht dokumentiert. In der Partitur ist der Gene­ralbass ausgesetzt. Die beigefügte Bassstimme dagegen beschränkt sich auf die Bezifferung. Das Notenbild ist kräftig gedruckt. Um das Umblättern zu erleichtern, wurde in der Violine 2 eine Leerseite vor dem Scherzo eingefügt.
Diese sorgfältig erarbeitete und schön gedruckte Ausgabe ist ein hervorragender Ausgangspunkt, um dieses Werk aufzuführen. Sie lässt den Spielenden die Freiheit, auf dem Fundament eines historisch gesicherten Notentextes einen eigenen Zugang zu dieser ausdrucksstarken Musik zwischen Barock und Klassik zu entwickeln.
Franzpeter Messmer

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