Antonín Dvorák, Siegfried Fall und Marek Dyakov > Trio Imàge

Trio Imàge

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Avi-music
erschienen in: das Orchester 05/2021 , Seite 90

Was hat das Trio Imàge denn dies­mal aus­ge­graben? Diese Frage stellt sich bei der neuen CD-Veröf­fentlichung des renom­mierten Klavier­trios wie von selb­st, das mit seinem Debüt und Kagels Gesamtwerk für die Beset­zung 2014 gle­ich einen Echo-Klas­sik ein­heim­ste. Auch CD Num­mer 2 des inzwis­chen inter­na­tion­al gefragten Ensem­bles mit der Ent­deck­ung des Brahms-Zeitgenossen Hans Som­mer erhielt hohe Anerkennung.

Nun stürzten sich die so exper­i­men­tier­freudi­gen wie sen­si­blen Musik­er auf ein Früh­w­erk eines gewis­sen Siegfried Fall. Von dem ken­nt man eigentlich nur den älteren Brud­er Leo, das ist der mit der Dol­larprinzessin. Manchen sagt auch noch der Name Richard Fall etwas, in Verbindung mit Hol­ly­wood: Das ist der jüng­ste der drei Brüder. Von allen dreien wandte sich Siegfried von Anfang an – und ohne jeden Erfolg – der ern­sten Muse zu. Wie sein Brud­er Richard wurde auch er als jüdis­ch­er Musik­er von den Nazis im KZ ermordet.

Siegfried Falls Klavier­trio, das 1899 noch zu Lehrzeit­en bei Max Bruch ent­stand, ist allerd­ings ein her­rlich­es, dur­chaus süf­figes Stück Musik, das im Grunde all das verbindet, was um diese Zeit en vogue war. In allen drei Sätzen sprüht es vor melodis­chen und for­malen Ein­fällen, klingt in jedem Takt und bietet allen Musik­ern reich­lich Gele­gen­heit, sich von schön­ster Seite zu zeigen. Am Schluss – im vielle­icht dann doch etwas lan­gen Ron­do – blitzt noch so etwas wie Operetten­flit­ter auf.

Dieser mustergültig und mit viel Verve einge­spiel­ten Ent­deck­ung gesellt das Trio Imàge ein Sätzchen bei, das der bul­gar­ische Kom­pon­ist Marek Dyakov dem Trio zueignete. Per­perikoana ist Teil eines vierteili­gen Zyk­lus Leg­en­den, in dem sich gemäßigt avanciert­er Ton­satz mit bul­gar­ischen Folk­lore-Melo­di­en zu einem Stim­mungs­bild des Rhodopen-Gebirges zusam­men­find­en. Dyakov ist ein Voll­blut-Musikant, der auch gern auf Hochzeit­en das Akko­rdeon bedi­ent. Hier zeigt er, was er der klas­sis­chen Ton­satzaus­bil­dung abge­won­nen hat.

In punc­to Voll­blut­musik­er ste­ht Antonín Dvořák Dyakov sich­er in nichts nach. Mit seinem Trio op. 65 wählt das Trio Imàge jedoch mit Bedacht keines der pop­ulären, schmis­si­gen Werke für die Beset­zung aus, son­dern eines, das nicht zulet­zt wegen sein­er Aus­dehnung zu den sper­ri­gen Werken des böh­mis­chen Meis­ters gehört. Der Hör­er kann sich entwed­er beruhigt in den Ses­sel kuscheln und der Meis­ter­schaft des Trio Imàge ver­trauen, oder auf der Stuh­lka­nte all die Fein­heit­en genießen, die Dvo­řák als einen der Großen sein­er Zeit ausweisen. Ein Genuss ist es so oder so.

Armin Kau­manns