Wolfram Wagner

Trio

für Klarinette, Violoncello und Klavier

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Doblinger
erschienen in: das Orchester 06/2020 , Seite 66

Der in Wien tätige Wol­fram Wag­n­er, Jahrgang 1962, ist in sein­er Heimat ein ange­se­hen­er Kom­pon­ist, der u. a. mit eini­gen Büh­ne­nund Vokalw­erken Erfolg hat. Die meis­ten sein­er Werke wur­den in Wien uraufge­führt. In seinen Kam­mer­musik­w­erken hat er schon mehrfach auch die Klar­inette bedacht, so in Klavier­trios mit Vio­line, Kon­tra­bass und Klavier und in weit­eren Ensem­blestück­en. Das vor­liegende Trio in der am häu­fig­sten vork­om­menden Beset­zung mit Klar­inette, Vio­lon­cel­lo und Klavier hat er 2011 für das Ensem­ble Tris geschrieben, das 2012 die Urauf­führung in Lon­don spielte. Das ein­sätzige Werk mit ein­er Spiel­d­auer von 15 Minuten begin­nt Lento lamen­toso recht span­nend mit einem zweitak­ti­gen ruhi­gen Klavier­mo­tiv, das auf ein­er Ton­rep­e­ti­tion in gle­ich­mäßiger Achtel­be­we­gung auf­baut, zu der nacheinan­der zwei engliegende Nach­bartöne hinzutreten. Der ent­standene Klang wird zu einem reizvollen Liegeklang. Dieses Motiv wird sequen­ziert, wieder­holt und wächst durch Hinzufü­gung weit­er­er Töne zu einem sieben­töni­gen clus­ter­ar­ti­gen Akko­rd an. Das Vio­lon­cel­lo fügt eine ruhige, sich steigernde Kan­ti­lene, die sich aus der Inter­vall­struk­tur des Klavier­mo­tivs her­leit­et, hinzu.
Mit Akko­rd­schlä­gen bricht die Musik ab und die Klar­inette wird mit ein­er kurzen Kadenz einge­führt. Eine Ver­ar­beitungsphase mit großan­gelegter Steigerung und Stim­men­tausch führt zu einem Molto vivace-Abschnitt mit ein­er stilis­tis­chen Wen­dung: Der Kom­pon­ist greift zur Tonal­ität mit Dreik­langsmo­tivik und tra­di­tionellen Spielfig­uren in dynamisch schnellen Entwick­lun­gen, die sich wieder beruhi­gen und zu einem drit­ten Abschnitt um den Zen­tral­ton es führen. Diese dis­parat­en Abschnitte wer­den mit tra­di­tionellen Tech­niken der Durch­führung aus­gear­beit­et, immer gepaart mit der Ten­denz zur unmit­tel­baren Aus­druckssteigerung durch dynamis­chen Anstieg und Ver­stärkung der clus­ter­ar­ti­gen Klänge. Dieser nahezu unbändi­ge Aus­druck­swille ins Große ist ein Kennze­ichen dieses Trios, führt aber zu ein­er ins­ge­samt doch recht plaka­tiv­en Wirkung, die wenig Spiel­raum für die Zeich­nung des indi­vidu­ellen Charak­ters der beteiligten Instru­mente lässt, deren vielfältige klan­gliche Nuan­cen auf der Strecke bleiben. Wenig dif­feren­ziert sind auch die rhyth­mis­chen Abläufe, die fest an ein Metrum gebun­den sind. Wol­fram Wag­n­er beschreibt auf sein­er Home­page sein kom­pos­i­torisches Cre­do: „Mein Ziel ist es, hohe emo­tionale und for­male Dichte in Ein­klang zu brin­gen. Bisweilen liegen meinen Stück­en strenge for­male, tonale, metrische, sog­ar math­e­ma­tis­che Konzepte zugrunde, andere Werke oder Sätze sind wiederum sehr frei kom­poniert. Dabei ist die musikalis­che Sprache stets bes­timmt von Direk­theit und Unmit­tel­barkeit, viele Werke sind von einem erzäh­len­den Duk­tus getra­gen.“ Inter­pre­ta­torisch und spiel­tech­nisch stellt das Trio, bis auf die unge­wohn­ten clus­terähn­lichen Akko­rde im Klavier­part, keine beson­deren Anforderun­gen. Auch die Hör­er wer­den das eher ret­ro­spek­tive Werk müh­e­los aufnehmen.
Herib­ert Haase