Debussy, Claude

Très rythmé. Golliwogg’s Cakewalk / The Little Negro

für Kammermusik-Ensemble oder Orchester, bearb. von Barbara Fritsch, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Musikverlag Andrea Wiegand, Manching 2013
erschienen in: das Orchester 05/2014 , Seite 69

Debussy schrieb das erste der bei­den vor­liegen­den Klavier­stücke im Rah­men der 1908 vol­len­de­ten Suite Children’s Cor­ner und wid­mete diese sein­er 1905 gebore­nen Tochter. Die Schwierigkeit­en des Werks über­fordern – wie in Schu­manns Kinder­szenen – zumeist die Möglichkeit­en von Kindern bzw. Jugendlichen. Das zweite hinge­gen, das er 1909 für eine Klavier­schule des Ver­lags Leduc kom­ponierte, gilt als sein leicht­estes Stück für Piano. Bei­den ist die Anre­gung durch einen afrikanisch-amerikanis­chen Tanz namens Cake­walk gemein­sam, der dem Rag­time nah­este­ht und eben­falls um die Wende zum 20. Jahrhun­dert in Europa bekan­nt wurde. Vor­läufer des Jazz wirk­ten u.a. auch auf Straw­in­sky und Hin­demith ein. Die bei­den Kom­po­si­tio­nen von Debussy sind schon bald nach ihrer Entste­hung auch als Arrange­ment vorgestellt wor­den. Ein Schüler, Fre­und und Mitar­beit­er von Debussy, André Caplet, dirigierte z.B. 1910 in New York eine selb­st erstellte Orch­ester­fas­sung von Children’s Cor­ner.
Die hier präsen­tierten Stücke erschienen im Musikver­lag Andrea Wie­gand in ein­er Serie von ein­fachen Bear­beitun­gen, die der Ver­lag als „Minuten-Hits“ beze­ich­net. Bar­bara Fritsch hat den Gol­li­wogg von Es- nach G‑Dur transponiert, wohl um die vie­len Vorze­ichen im Mit­tel­teil – um das Tris­tan-Zitat herum – zu mei­den. Sie hat eine auf mehrfache Weise nutzbare Par­ti­tur erstellt, die von einem Stre­ichquar­tett oder Stre­i­chorch­ester aus­ge­führt wer­den kann, aber auch durch zusät­zliche Holzbläs­er und Tri­an­gel. Fern­er wurde ein Klavier­satz geliefert, der „beim Unter­stützen und Begleit­en“ helfen soll. The Lit­tle Negro verblieb in der von Debussy gewählten Tonart C‑Dur und wird für Stre­ichquar­tett oder vier Holzbläs­er ange­boten.
Der Ver­lag kommt der Ver­bre­itung des Noten­ma­te­ri­als ent­ge­gen, indem er im Vor­wort u.a. verkün­det: „Der Kauf der Gesam­taus­gabe berechtigt den Erwer­ber zum Kopieren der gekennze­ich­neten Einzel­stim­men in ein­er für seine Unter­richts- und Auf­führungszwecke erforder­lichen Anzahl.“
Die vor­liegende Bear­beitung der bei­den pop­ulären Klavier­stücke ist geeignet, wenig fort­geschrit­te­nen Spiel­ern einen Ein­druck von einem der wichtig­sten Kom­pon­is­ten des 20. Jahrhun­derts zu ver­mit­teln, der hier Ein­flüsse des begin­nen­den Jazz-Zeital­ters ver­ar­beit­et hat. Vielle­icht kann die Arbeit mit dieser Par­ti­tur bewirken, dass Spiel­er und mögliche Zuhör­er sich Werke von Meis­ter Debussy in orig­i­naler Instru­men­ta­tion und richtiger Tonart anhören möcht­en und sich für Ein­wirkun­gen von Jazz-Ele­menten auf andere Kom­pon­is­ten (s.o.) inter­essieren. Ein geschick­ter Päd­a­goge wird sicher­lich auch dazu anre­gen, die Funk­tion des Tris­tan-Zitats bei Debussy zu über­denken.
Peter Roggenkamp