Inga Mai Groote/Laurenz Lütteken/Ilona Schmiel (Hg.)

Tonhalle Zürich 1895–2021

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Bärenreiter
erschienen in: das Orchester 03/2022 , Seite 63

Ein gesellschaftlich­er, kun­st- und kul­turgeschichtlich­er Abriss in Betra­ch­tung der Entwick­lung von Architek­tur und Klangkonzep­tion erwartet den Leser in diesem Band zur Entste­hung und Ren­ovierung der Ton­halle Zürich. Eng ver­bun­den mit dem Wan­del der Art des Kun­st­genuss­es – wie auch mit den sich ändern­den Ansprüchen der Rezip­i­en­ten und der aus­führen­den Kün­stler – ist die stete zeit­gemäße Entwick­lung und Neukonzep­tion der Auf­führung­sorte. Verdeut­licht wird das in einem Rück­blick auf die musikalis­che Vorgeschichte der Ton­halle Zürich, die zur Grün­dung der Ton­halle-Gesellschaft 1868 führte, sowie auf die Formierung des Ton­halle-Orch­esters Zürich. Untrennbar ist der Werde­gang des Orch­esters mit der Geschichte seines Spielorts verknüpft Stan­dorte musikalis­chen Lebens im Zürich des 18. und 19. Jahrhun­derts wie das Casi­no, der Musik­saal am Korn­haus oder die Alte Ton­halle sind bild­haft belegt dank der Unter­stützung des Baugeschichtlichen Archivs der Stadt Zürich, des Stadtarchivs Zürich sowie der ETH-Bib­lio­thek Zürich und der Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek Basel. Werke, Auf­führungs­dat­en, Namen von Inter­pre­ten und Diri­gen­ten sowie Konz­ert­pro­gramme wur­den zur Abbil­dung in den Konz­ert­doku­men­ta­tio­nen der Ton­halle-Gesellschaft gefun­den. Zum aus­führlichen Bild­ma­te­r­i­al haben eben­so die Kan­tonale Denkmalpflege Zürich, die Architek­tenge­mein­schaft Zürich Boesch Diener sowie vom Rijksmu­se­um und Rijksstu­dio Ams­ter­dam zur Ver­fü­gung gestellte Illus­tra­tio­nen beigetragen.
Allein über 60 Seit­en doku­men­tieren die „Geschichte in Bildern“ – sehr bemerkenswert, was die Her­aus­ge­ber und Autoren hier zusam­menge­tra­gen haben. Aus­ge­wogen dargestellt und mit Skizzen unter­legt sind die Abschnitte zum Stan­dortwech­sel und zur architek­tonis­chen Wand­lung der Ton­halle. Inter­es­sante bautech­nis­che Aus­führun­gen zu den akustis­chen Ren­ovierungsar­beit­en verdeut­lichen den Aufwand. Der große Saal war von Anfang an mit sein­er Ästhetik und sinnlichen Akustik hochgeschätzt, bei Pub­likum und Musik­ern gle­icher­maßen. Dieses Klanger­leb­nis zu erhal­ten, stellte für die Ren­ovierung hohe Ansprüche an Akustik­er und Baukun­st. Mit Stolz wird daher im Kapi­tel „Gelun­ge­nes Finale mit Schlus­sakko­rd“ resümiert, dass die Para­me­ter für einen her­vor­ra­gen­den Klang erre­icht und sog­ar übertrof­fen wurden.
Die Zeittafel zur Geschichte der Ton­halle Zürich endet mit der Wieder­eröff­nung am 15. Sep­tem­ber 2021 mit dem Ton­halle-Orch­ester unter der Leitung von Paa­vo Järvi. Nicht enden wird der immer neue Anspruch auf Hör­genuss in hochen­twick­el­ten Konz­ert­sälen, die zukun­ftsweisend inter­na­tionalen Ver­gle­ichen standhalten.
Akribisch erar­beit­et, mit wertvollem Bild­ma­te­r­i­al und aus­führlichen Beschrei­bun­gen aus­ges­tat­tet, ver­di­ent das in Deutsch und Englisch ver­fasste Zeit­doku­ment, das von Kul­turgeschichte, Umbau und Ren­ovierung eines weltweit geschätzten Konz­ert- und Kon­gresshaus-Kom­plex­es zeugt, große Beachtung.
Ingrid Ploß