Merkle, Julian / Geli Schmaus

Töne im Ohr

Zuhören und Musizieren in Kindergarten und Grundschule

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Stiftung Zuhören, München 2014, www.zuhoeren.de/home/tipps-und- material-zur-zuhoerfoerderung/toene-im-ohr.html
erschienen in: das Orchester 06/2014 , Seite 64

Wer erinnert sich noch an Momo, Kultbuch und Film von Michael Ende, und an Momos größte Fähigkeit? Genau! Zuhören, und zwar so intensiv und nachhaltig, wie es kaum einem anderen Menschen gegeben war. So meldet sich nun eine Veröffentlichung – Buch, CD und Schülerheft –, die Kinder im frühen Alter zu dieser Fähigkeit des auditiven Wahrnehmens auf spielerische Weise hinführen soll. Dabei ist vielleicht die dahinter stehende Institution und deren Anliegen ebenso bedeutsam wie diese Materialiensammlung und gibt sich im Vorwort programmatisch auch als Initiative mit großem ethischen Potenzial zu erkennen: „Kaum etwas anderes regt unsere Phantasie so sehr an wie das Zuhören. Dabei wissen wir noch viel zu wenig, was Zuhören eigentlich ist. Viel zu ungenau ist unser Verständnis davon, was beim Zuhören geschieht und vor allem, ob, wann und wie man das Zuhören lernt.“
Mithilfe dieses Buchs sollen Kinder „die ihnen gemäße Klangwelt finden, die die Basis bildet, wie sie Musik wahrnehmen“, und so reiht sich diese Veröffentlichung ein in Konzepte und Materialsammlungen aus den ersten Jahren des boomenden Unterrichtsbereichs Musikalische Früherziehung, Rhythmik bzw. nunmehr summiert unter dem Begriff „Elementare Musikpädagogik“ – genauer und richtiger wohl „Musikpädagogik im Elementarbereich“. Vielleicht ist es aber auch symptomatisch, dass ein solches Buch und die in ihm verborgenen pädagogischen Überzeugungen gleichsam die Erinnerung daran wachrufen, was einmal mit dem Begriff „auditive Wahrnehmungserziehung“ gemeint war und wie wichtig derartige Konzepte zu jedweder Vorbereitung einer sinnvollen musikalischen Entwicklung von Stimme und/oder Instrument in Musikschulen und anderen Einrichtungen sind. Hier ist in den vergangenen Jahren eine gewisse Routine eingetreten und gleichzeitig haben sich wohl die Akzente immer mehr in Richtung der Kooperationsmodelle und des immer früher einsetzenden Instrumentalunterrichts in größeren Gruppen verschoben. Insofern ist eine Besinnung auf diese wahrnehmungspsychologischen Grundlagen hoch an der Zeit. Das Buch gibt sich dann auch in den einzelnen Kapiteln durchaus nicht als revolutionäres „Neuland“ zu erkennen, sondern verweist auf die eher zeitlos gültigen Lernfelder dieses Bereichs: Zuhören als Schlüssel zur Welt; Die Stimme, unser wichtigstes Instrument; Singen tut gut; Rhythmus und Takt in allen Dingen; Instrumente zum Klingen bringen; Selbstgebaute Instrumente.
Diktion und didaktische Prämissen sowie methodische Ausführungen sind dabei merklich auf Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen – auch solche, die keinen musikpädagogischen Hauptstudiengang hinter sich haben – ausgerichtet. Das hebt das Buch ebenfalls hervor, und so gliedert sich an diese Sammlung mit vielen schönen Ideen und Materialien auch ein Impuls zu praxisorientierten Fortbildungsveranstaltungen an. Über das Internet kann man weitere Informationen und Materialien beziehen. Ob das Schülerheft die Motivation der Kinder verstärkt, ist Ansichtssache. Meines Erachtens ist es verzichtbar – zugunsten einschlägiger musikalischer Erlebnisse.
Thomas Holland-Moritz