Ludwig van Beethoven

The Symphonies

Chœur de Chambre de Luxembourg, Solistes Européens Luxembourg, Ltg. Christoph König

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Rubicon
erschienen in: das Orchester 04/2021 , Seite 66

Das Beson­dere an dieser neuen Beethoven-Sym­phonien-Ein­spielung der Solistes Européens Lux­em­bourg sind die Zugaben: einige der Ouvertüren und das von Bar­ry Coop­er ergänzte Frag­ment zur 10. Symphonie.
Doch daran schließt sich gle­ich die Frage an: Wieso find­en sich hier nur die bekan­ntesten und nicht alle Ouvertüren? Ger­ade die Orch­esterein­leitun­gen zu den Fest­spie­len König Stephan und Die Ruinen von Athen sowie die großar­ti­gen Konz­er­tou­vertüren Die Wei­he des Haus­es und Zur Namensfeier sind lohnende Werke des vor 250 Jahren in Bonn gebore­nen Kom­pon­is­ten. Auch die musikhis­torisch so bedeu­tende Leonoren-Ouvertüre Nr. 2 fehlt. Eben­so unl­o­gisch wirken zwei Musiknum­mern aus dem Bal­lett Die Geschöpfe des Prometheus, die der Ouvertüre nachfolgen.
Der Name Solistes Européens des vor dreißig Jahren gegrün­de­ten Orch­esters ist natür­lich Pro­gramm. Der aus Musik­ern ver­schieden­er Län­der Ost- und Wes­teu­ropas zusam­menge­set­zte Klangkör­p­er sym­bol­isiert die europäis­che Bedeu­tung Beethovens. Seit zehn Jahren ste­ht das Orch­ester unter der Leitung des Chefdiri­gen­ten Christoph König, der frischen Wind in die Pro­gram­mgestal­tung brachte.
Der heute 52-jährige Dres­d­ner wirk­te als junger Mann an der Oper der Beethoven-Stadt Bonn und erwarb sich eine inter­na­tionale Rep­u­ta­tion. Sein Zugang zum Klas­sik­er Beethoven klingt im besten Sinne solide. Er leit­et mit dem Know-how eines erfahre­nen Diri­gen­ten. Doch sel­ten sind diese Inter­pre­ta­tio­nen aufre­gend. Auch tech­nisch wirken die Auf­nah­men unaus­ge­wogen, das Orch­ester ist etwas schwammig und wenig trans­par­ent einge­fan­gen. Beson­ders irri­tieren die viel zu wuchti­gen und ver­hall­ten Pauken. Ein Grund dafür mag sein, dass es sich um Livemitschnitte han­delt. Sie ent­standen über einen lan­gen Zeitraum hin­weg, von 2009 bis 2019, in der Phil­har­monie Lux­em­bourg. Die älteste Ein­spielung ist die der Leonoren-Ouvertüre Nr. 3, die jüng­ste die der 9. Symphonie.
Im Schlusssatz der Neun­ten singt der her­vor­ra­gende Chœur de Cham­bre de Lux­em­bourg – kraftvoll und den­noch dif­feren­ziert, dabei fein aus­bal­anciert über die Stimm­la­gen. Es ist eine Freude, ihm zuzuhören. Die Ein­studierung ver­ant­wortete Anto­nio Gro­su. An den Solis­ten Genia Küh­meier (Sopran), Anke Von­dung (Mez­zoso­pran), Michael König (Tenor) und Jochen Kupfer (Bass) ist eben­falls nichts auszusetzen.
Doch wegen des keines­falls top spie­len­den Orch­esters gilt für diese Neuein­spielung: Neben der promi­nen­ten Konkur­renz auf dem CD-Markt – etwa der 2019 erschiene­nen Gesam­tauf­nahme des Dan­ish Cham­ber Orches­tra unter dem tem­pera­mentvollen Ádám Fis­ch­er oder den 2020 erschiene­nen Beethoven-Sym­phonien des WDR Sin­fonieorch­esters unter Alt­meis­ter Marek Janows­ki – wird sich diese Fün­fer-CD-Box schw­er durch­set­zen kön­nen. Ihr fehlt ein­fach das Alle­in­stel­lungsmerk­mal in klan­glich­er oder inter­pre­ta­torisch­er Hinsicht.
Matthias Corvin