Eduard Lassen, Philipp Scharwenka und Rued Langgaard

The Romantic Violin Concerto

Linus Roth, BBC Scottish Symphony Orchestra, Ltg. Antony Hermus

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Hyperion
erschienen in: das Orchester 10/2019 , Seite 66

Mit dem mit­tler­weile 22. Teil der CD-Rei­he „The Roman­tic Vio­lin Con­cer­to“ legt das Label Hype­r­i­on erneut drei Ein­spielun­gen vor, die daran gemah­nen, wie beschränkt das heute all­seits erklin­gende Konz­ertreper­toire ist und wie sin­nvoll es erscheint, den oft zu Unrecht vergesse­nen Werken der Ver­gan­gen­heit nachzus­püren. Sekundiert vom BBC Scot­tish Sym­pho­ny Orches­tra unter Leitung von Antony Her­mus wid­met sich der Geiger Linus Roth zunächst dem 1888 ent­stande­nen Vio­linkonz­ert D-Dur op. 87 von Eduard Lassen (1830–1904). Bere­its das eröff­nende Alle­gro mod­er­a­to ver­rät, dass die Musik den Aspekt des Drama­tis­chen weit­ge­hend mei­det und sich vorzugsweise dem lyrischen Melos ver­schreibt. Mit geschmack­voll einge­set­zten Por­ta­men­ti passt Roth in den Rah­men­sätzen seinen Vor­trag den Erfordernissen der kantablen Stilis­tik an, ver­lei­ht den melodis­chen Phrasen und ihren vielfachen Verzwei­gun­gen durch gekon­nte Far­b­verän­derun­gen unter­schiedlich­es Gewicht, bringt aber auch das immer wieder eingestreute Pas­sagen­werk sou­verän zur Gel­tung. Am unmit­tel­barsten zeigen sich die Fähigkeit­en des Geigers im Andante cantabile, wo er die Kan­ti­lene voller Ele­ganz über ein­er vom Orch­ester getupften, walz­er­ar­ti­gen Begleitung schweben lässt, um dann in kon­trastieren­den Abschnit­ten ein klangvolles Dop­pel­griff­spiel zu ent­fal­ten. Dass das Konz­ert trotz des ein­nehmenden Solovor­trags in sein­er Gesamtheit nicht recht überzeugt, liegt an der Zurück­hal­tung des Orch­esters, die den weit­ge­hend auf Kon­traste verzich­t­en­den musikalis­chen Duk­tus zu ein­er rel­a­tiv sta­tis­chen Angele­gen­heit wer­den lässt. Die Musik­er bleiben selb­st dort zurück­hal­tend, wo sich – wie in den kurzen Tremolopas­sagen des Kopf­satzes – drama­tis­che Akzente set­zen ließen, lassen darüber hin­aus aber auch den Mut zu ein­er flex­i­bleren dynamis­chen Gestal­tung zwecks stärk­er­er Pro­fil­ierung des Klangergeb­niss­es ver­mis­sen. Einen pos­i­tiv­eren Ein­druck hin­ter­lässt demge­genüber das 1894 kom­ponierte Vio­linkonz­ert G-Dur op. 95 von Lud­wig Philipp Schar­wen­ka (1847–1917). Auch hier formt Roth den Solopart unter gekon­ntem Ein­satz von Agogik aus­ge­sprochen plas­tisch, wobei er umsichtig genug ist, in den emphatis­chen Abschnit­ten von Kopf­satz und Finale sein klangvolles Vibra­to nicht über­mäßig zu stra­pazieren. Ins­beson­dere das Andante tran­quil­lo, stim­mungsmäßig kom­plex­es Herzstück des Werks, prof­i­tiert vom engagiert­eren Vor­trag der Orch­ester­mit­glieder, wodurch der Solopart vielerorts fein abgetönte orches­trale Res­o­nanzen erzeugt und sich in kam­mer­musikalis­ch­er Manier einem Miteinan­der melodis­ch­er Phrasen und Motive fügt. Ful­mi­nan­ter Schlusspunkt der Ein­spielung ist das kurze, ein­sätzige Vio­linkonz­ert (1943/44) von Rued Lang­gaard (1893–1952), dessen musikalis­che Beson­der­heit­en – eine rhyth­misch präg­nante Motivik sowie die Inte­gra­tion eines Klavier­parts in das Orch­ester – die Mitwirk­enden zu Höch­stleis­tun­gen ans­pornen.
Ste­fan Drees