Werke von Bach, Ysaÿe, Honegger und anderen

The French Connection

A Recital for Solo Violin, Herwig Zack (Violine)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Thorofon
erschienen in: das Orchester 05/2021 , Seite 85

Nach­dem er auf sein­er let­zten CD das Reper­toire für solis­tis­che Vio­line aus der Per­spek­tive Made in Ger­many abge­tastet hat, nimmt der Geiger Her­wig Zack nun die French Con­nec­tion in den Fokus. Mit diesem Titel ist nicht nur Musik franzö­sis­ch­er Prove­nienz gemeint, son­dern – die Namen Johann Sebas­t­ian Bachs und Georg Philipp Tele­manns ver­weisen darauf – es geht hier vielfach auch um musikalis­che Einflüsse.

Angesichts der Möglichkeit­en, die sich ins­beson­dere bei der Wahl von Kom­po­si­tio­nen aus dem 20. Jahrhun­dert noch geboten hät­ten (Paul Arma, Dar­ius Mil­haud und Pierre Boulez wären weit­ere attrak­tive Kan­di­dat­en gewe­sen), erweist sich die Wahl der Werke nicht immer ganz glück­lich. Immer­hin ist die Ein­spielung der raum­greifend­en (und häu­fig erklin­gen­den) E‑Dur-Par­ti­ta BWV 1006 der Kon­tex­tu­al­isierung geschuldet, da Zack aus dem knapp 200 Jahre später ent­stande­nen Zyk­lus von Eugène Ysaÿes Solosonat­en op. 27 aus­gerech­net die a‑Moll-Sonate auswählt, die sich obses­siv an das Bach’schen Vor­bild klam­mert, wodurch das Nacheinan­der bei­der Werke zwin­gend wird. Da der Geiger dem Pre­lu­dio der Bach’schen Par­ti­ta einen erfreulich schar­fen Ton­fall ver­lei­ht, auf den er auch in der klan­glich aus­ge­feil­ten Wieder­gabe der Ysaÿe-Sonate immer wieder zurück­kommt, wirken die bei­den Stück­en zudem noch stärk­er aufeinan­der bezo­gen, als sie es ohne­hin bere­its auf­grund der kom­pos­i­torischen Ref­erenz sind.

Die Wahl zweier Fan­tasien Tele­manns, alternierend zur Sonate pour vio­lon seul von Arthur Honeg­ger und der Intro­duc­tion et Fugue aus den Six Morceaux op. 55 von Hen­ri Vieux­temps platziert, ist hinge­gen weniger ein­leuch­t­end, auch wenn die Inter­pre­ta­tio­nen der Stücke sehr überzeu­gend ger­at­en und ins­beson­dere der Largo-Satz von Tele­manns Fan­tasie VII durch geschick­te Platzierung von Verzierun­gen überzeugt.

mmer­hin wird – auch mit Blick auf den Fan­tasiecharak­ter des Kopf­satzes aus Jean Mar­ti­nons Sonatine op. 32 Nr. 1 – im Ver­gle­ich viel­er Werke deut­lich, wie sich die mehrsätzige Anlage über die Jahrhun­derte hin­weg verän­derte und welche musikalis­chen Kon­stan­ten die Kom­pon­is­ten jew­eils beibehielten.

Vieux­temps’ kom­plexe Kon­tra­punk­t­studie, aber­mals eine Ver­beu­gung vor Bach, ist in ihrer klaren, klangvollen Darstel­lung ein Höhep­unkt der Pro­duk­tion, zumal Auf­nah­men des Stücks son­st eher Man­gel­ware sind. Weit­ere ein­prägsame Momente find­en sich ein­mal in der ger­adlin­i­gen, einen Span­nungs­bo­gen über die Sätze hin­weg auf­bauen­den Lesart, die Zack Honeg­gers streng klas­sizis­tis­ch­er Sonate ver­lei­ht, dann aber auch in der klangsinnlichen Wieder­gabe von Mar­ti­nons sel­ten erklin­gen­dem Stück.

Dass der Geiger seine CD mit Igor Straw­in­skys Bear­beitung der Mar­seil­laise beschließt, dient als augen­zwinkern­der Schlusspunkt eines Pro­gramms, das man sich mit großem Gewinn zu Gemüte führen kann, schafft es Zack let­zten Endes doch, die einzel­nen Werke einan­der gegen­seit­ig beleucht­en zu lassen.

Ste­fan Drees