Werke von Johann Michael Haydn, Franz Querfurth, Joseph Riepel und anderen

The Concerto Session

Matthias Grünert (Orgel), Helmut Fuchs (Trompete)

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Rondeau Production
erschienen in: das Orchester 03/2022 , Seite 74

Nach­dem Hel­mut Fuchs, Solo-Trompeter der Staatskapelle Dres­den, gemein­sam mit der Pianistin Lil­ly Zhang-Sowa Anfang 2021 bere­its die CD 150 Jahre Oskar Böhme mit Werken des nahe Dres­den gebore­nen Cor­net-Vir­tu­osen und Kom­pon­is­ten vorgelegt hat, fol­gt nun nur wenige Monate später der näch­ste Ton­träger. Auf diesem ist Hel­mut Fuchs gemein­sam mit seinem Kam­mer­musik­part­ner Matthias Grün­ert, Organ­ist der Frauenkirche Dres­den, zu erleben.
Das Duo inter­pretiert auf The Con­cer­to Ses­sion die großen Trompe­tenkonz­erte aus Barock und Frühk­las­sik von Johann Wil­helm Her­tel, Johann Michael Haydn (C‑Dur und D‑Dur), Franz Quer­furth, Joseph Rie­pel sowie Franz Xaver Richter. Die hier vor­liegen­den Konz­erte zählen zu den höch­sten und schw­er­sten, die Kom­pon­is­ten der Barockzeit für die Trompete geschrieben haben. So erklingt im Konz­ert D‑Dur von Johann Michael Haydn als Spitzen­ton beispiel­sweise ein klin­gen­des a”’ – eine Höhe, die bis dahin noch nie ein Kom­pon­ist in einem Konz­ert für Trompete gefordert hatte.
Im Orig­i­nal sind alle diese Konz­erte für die ven­til­lose Naturtrompete kom­poniert und kon­nten zur Zeit ihrer Entste­hung nur von absoluten Aus­nah­mekön­nern gespielt wer­den. Wenn man sich vorstellt, dass es sich bei der Naturtrompete im Prinzip lediglich um eine Met­all­röhre mit Trichter und Mund­stück han­delt, erscheint es eigentlich unglaublich, dass sich darauf so hochvir­tu­ose Par­tien aus­führen lassen. Hel­mut Fuchs wählt für diese Auf­nah­men zwar eine mod­erne Pic­colotrompete, aber auch auf diesem Instru­ment sind die tech­nis­chen Her­aus­forderun­gen an den Inter­pre­ten evi­dent – sie wer­den bril­lant gemeis­tert und der Trompe­ten­klang mis­cht sich her­vor­ra­gend mit dem vollen und orches­tralen Klang der Frauenkirchenorgel.
Matthias Grün­ert, welch­er als Organ­ist und mit seinem Ensem­ble Frauenkirche Dres­den auch im Fernse­hen und in Social Media präsent ist, voll­bringt es gekon­nt, die Orch­ester­stim­men dieser Konz­erte auf der Orgel umzuset­zen und ist ein her­vor­ra­gen­der Kam­mer­musik­part­ner für Hel­mut Fuchs. Der 1984 in Obern­dorf bei Salzburg geborene Fuchs zeigt mit seinen Inter­pre­ta­tio­nen voller Schwung und Ele­ganz, dass er zu den ganz großen Solo-Trompetern der deutschen Orch­ester­land­schaft gehört.
Natür­lich drän­gen sich beim Hören Ver­gle­iche zu berühmten Auf­nah­men von Mau­rice André oder Håkan Hard­en­berg­er auf. Doch hier in Konkur­renz zu treten scheint nicht das Ziel des Solo-Trompeters zu sein, da nicht mit Orch­ester- son­dern mit Orgel­be­gleitung gear­beit­et wurde. Durch die Akustik der Frauenkirche Dres­den wird The Con­cer­to Ses­sion zu einem beson­deren Hörerlebnis.
Die Auf­nah­men auf dieser CD machen klar, dass Hel­mut Fuchs und Matthias Grün­ert zu den großen Trompete-Orgel-Duos gehören werden.
Kristin Thielemann