Andreas Mendel

Technische Grundlagen der Oboe

Luftführung & Stütze, Atem & Klang, Doppelzunge, Fingertechnik, Ansatztraining, Master Edition

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Konikos,
erschienen in: das Orchester 05/2022 , Seite 65

Seit 2015 kom­men in unregelmäßiger Folge ver­schiedene Lehrhefte mit Tech­nis­chen Grund­la­gen der Oboe her­aus. Zunächst erschienen „Effek­tive und sys­tem­a­tis­che Übun­gen zur geziel­ten Verbesserung der Tech­nik“ (das Orch­ester 1/2017), bald die beina­he gle­ichen Übun­gen in Moll (das Orch­ester 7–8/2017) und 2020 hat­te der im Linz­er Bruck­n­er Orch­ester tätige Oboist und Autor Andreas Mendel speziell Jugendliche und Studierende im Blick (üben & musizieren 6/2020).
Nun erschien im von Mendel gegrün­de­ten Ver­lag Konikos der ver­mut­lich let­zte Band mit weit­eren tech­nis­chen Grund­la­gen wie Luft­führung, Stütze, Atem, Klang, Dop­pelzunge, auf­bauende Fin­gertech­nik und Ansatz­train­ing. Hierin bespricht er schwierige The­men, an die sich herkömm­liche Oboen­schulen bis­lang nicht getraut haben. Dabei wün­scht er sich, dass „die Leser neugierig wer­den, neue Dinge aus­pro­bieren und sich durch die inter­es­san­ten und sehr per­sön­lichen Beiträge namhafter Obois­t­en inspiri­eren lassen“.
Der Band begin­nt mit dem Ver­weis auf die richtige Fin­ger- und Hand­hal­tung, wobei während der Übun­gen ins­beson­dere eine mögliche Anspan­nung ver­mieden und der Kraftaufwand min­imiert wer­den sollte. Nach bewusst und kon­trol­liert durchge­führten Fin­gerübun­gen mit Ton­leit­ern und den zusam­menge­höri­gen Akko­r­den wen­det sich Mendel dem eigentlichen Ansatz­train­ing zu, und zwar einem „geziel­ten Train­ing der Ansatz­musku­latur“ – wiederum mit entsprechen­den Übun­gen. Für Oboist:innen schwierig und recht zeitaufwendig ist das Erler­nen der Dop­pelzunge, dem im darauf­fol­gen­den Kapi­tel mit genauen Erk­lärun­gen und Übun­gen für eine richtige Koor­dinierung aus­re­ichend Raum gegeben wird. Span­nend ist das Kapi­tel über die Opti­mierung der Ansatz-Muskel­funk­tio­nen, wo beson­ders die Lip­pen, die Zunge und das Gau­mensegel im Fokus des Inter­ess­es stehen.
Im umfan­gre­ich­sten Kapi­tel „Luft­führung und Stütze“ kom­men langjährige und bekan­nte Solo-Oboist:innen aus ver­schiede­nen Orch­estern zu Wort, die ihre Überzeu­gun­gen und Erfahrung mit­teilen und auch über häu­fige Fehler bericht­en. So meint beispiel­sweise Clara Dent-Bogányi, gutes Stützen hätte vor allem etwas mit Entspan­nung zu tun, für Nick Deutsch ist die Stütze wie die Zün­dung eines Autos und Albrecht May­er meint gar, Stütze sei keine muskuläre Anspan­nung wie bei Bruce Lee. Dabei stellt der Autor den Oboist:innen stets diesel­ben Fra­gen wie „Was sind deine Grundüberzeu­gun­gen von Stütze und Luft­führung, die dich beim Spiel oder beim Unter­richt leit­en?“ oder „Gibt es einen bes­timmten ‚Fehler‘ beim Stützen, der unbe­d­ingt ver­mieden wer­den sollte?“ Die Antworten sind bemerkenswert und beson­ders für Schüler:innen sehr aufschlussreich.
Im acht­en und let­zten Kapi­tel „Atem & Klang“ kommt schließlich die an der Münch­n­er Musikhochschule lehrende Dozentin Isa Ter­wi­esche zu Wort, die zum Beispiel zeigt, wie mit manueller Atem­be­hand­lung Block­aden erkan­nt und abge­baut wer­den können.
Wern­er Bodendorff