Heide Schwarzweller

Talent / Ideen / Leidenschaft / Idealismus / Kreativität / Ehrgeiz / Üben / Erfolg

Wegbereiter/Wegbegleiter. Realität, Strategien und Wege musikalischer Nachwuchsförderung

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Ellert & Richter
erschienen in: das Orchester 11/2020 , Seite 58

Wie wird man ein guter Förder­er?
Indem man sich engagiert und den jun­gen Musik­ern vielle­icht von sich aus ein Stück des Weges ent­ge­genkommt. Die Teil­habe an der Auf­bruchsstim­mung jün­ger­er Musik­er und Ensem­bles ist ein ganz beson­der­er Schatz.“ Mit diesen Worten beschreibt die Ini­tia­torin des Fan­ny-Mendelssohn-Preis­es, Hei­de Schwarzweller, ihre Inspi­ra­tion für die Her­aus­gabe dieses Sam­mel­ban­des. Er richtet sich gle­icher­maßen an den Musik­er­nach­wuchs wie auch an poten­zielle Förder­er und beschreibt bre­it­ge­fächert ver­schieden­ste Aspek­te der Begeg­nung zwis­chen diesen bei­den Grup­pen.
Dieses Kom­pendi­um beste­ht aus 22 Inter­views, die von renom­mierten Kul­tur­jour­nal­is­ten geführt wur­den. Sie deck­en einen sehr weit­en Bere­ich der über­aus het­ero­ge­nen The­matik ab: Im ersten Teil kom­men Inten­dan­ten – u. a. Markus Fein (Fest­spiele Meck­len­burg-Vor­pom­mern), Chris­t­ian Kuh­nt (Schleswig-Hol­stein Musik Fes­ti­val) und Thorsten Schmidt (Hei­del­berg­er Früh­ling) – zu Wort, genau­so wie Stiftun­gen, pri­vate Mäzene und Kul­turver­ant­wortliche in Unternehmen. Thomas Girst (Leit­er des Kul­turen­gage­ments von BMW) stellt sinnbildlich klar: „Spon­sor­ing bedeutet kaum mehr als ein mon­etär­er Trans­fer von A nach B. Part­ner­schaften sind aber keine Transak­tion, son­dern eine Inter­ak­tion. Denn man kann im Kul­turbere­ich mit 100 000 € sehr viel falsch und mit 10 000 € sehr viel richtig machen.“ Und Dieter Rexroth (Kün­st­lerisch­er Leit­er von Young Euro Clas­sic) ergänzt: „Als Förder­er muss ich sich­er sein, dass ein junger Kün­stler tat­säch­lich einen kün­st­lerischen und per­sön­lich wertvollen Gewinn zieht. Man braucht ein Ver­trauen­skap­i­tal, mit dem man arbeit­en kann.“
Im zweit­en Teil bericht­en welt­bekan­nte Kün­stler wie Julia Fis­ch­er, Sabine Mey­er, Gábor Boldocz­ki, Daniel Hope u. a. von ihren Erfahrun­gen in diesem Bere­ich. Da sie inzwis­chen auch als Men­toren und Pro­fes­soren fungieren, enthal­ten ihre Ein­blicke authen­tis­ches Insid­er­wis­sen, motivierende Visio­nen wie auch viel Raum für kün­st­lerische Fein­heit­en. Erschreck­end ehrlich ist beispiel­sweise der Klar­inet­tist Rein­er Wehle, der seinen Stu­den­ten sagt: „Wenn du mein Kind wärst, würde ich dir dieses Studi­um ver­bi­eten.“ Daniel Hope dage­gen mah­nt zur Geduld: „Wenn ein Musik­er klug mit seinem Tal­ent umge­ht, kann er spie­len, bis er 70 ist.“
Als Kri­tikpunkt kön­nte man erwäh­nen, dass der Auf­bau dieses Buchs nur schw­er einen roten Faden erken­nen lässt und eher mit ein­er kreativ­en Col­lage the­ma­tis­ch­er Impulse ver­gle­ich­bar ist. Dies mag jugendlich-frisch erscheinen, wirkt allerd­ings z. B. bei der Les­barkeit der ganz­seit­i­gen Haupt­ti­tel und bei der inhaltlichen Struk­tur nicht ganz strin­gent. Einen Plus­punkt wiederum stellt die sehr umfan­gre­iche Link- und Rat­ge­ber­samm­lung dar. Hier wer­den sehr dif­feren­ziert Infor­ma­tions- und Diskus­sion­s­möglichkeit­en, Büch­er, Insti­tu­tio­nen, Förderun­gen, Wet­tbe­werbe und Weit­er­bil­dungsange­bote aufge­führt.
Ste­fan Lan­des