Gustav Mahler

Symphony No. 7

Wiener Symphoniker, Ltg. Andris Nelsons

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: CMajor (DVD)
erschienen in: das Orchester 7-8/2026 , Seite 78

Bei der hier vorliegenden Blu-ray-Disc von Mahlers 7. Symphonie handelt es sich um eine phänomenale Angelegenheit, deren Anschaffung, um das Fazit einmal vorwegzunehmen, unbedingt zu empfehlen ist. Dieser Blu-ray-Disc zugrunde liegt ein im Jahre 2023 aufgezeichnetes Konzert im Wiener Musikverein. Mahler begann mit der Komposition seiner 7. Symphonie 1904 und schloss sie 1905 ab. Aus der Taufe gehoben wurde sie aber erst am 19. August 1908 in Prag.
Das Publikum verstand zum großen Teil die Musik nicht. Die Entstehungsgeschichte des Werks stand unter keinem guten Stern. In der Zeit der Komposition starb Mahlers Lieblingstochter. Auch sonst hatte Mahler in diesen Jahren sehr viel Unbill zu ertragen, was sich negativ auf den Schaffensprozess auswirkte. Zum Beispiel litt er unter Schreibblockaden und sah sich darüber hinaus mit erheblichen antisemitischen Hasstiraden konfrontiert. Das alles machte ihm sehr zu schaffen. Die 7. Symphonie gehört zu Mahlers mittlerer Schaffensperiode und kommt im Gegensatz zu seinen bisherigen Symphonien ganz ohne Worte aus. Das symphonische Element dominiert. Das Ganze weist einen ausgesprochen progressiven Charakter auf und bewegt sich manchmal nahe an der Grenze zur Atonalität. Mahler bezeichnete seine 7. Symphonie als „mein bestes Werk und vorwiegend heiteren Charakters“. Dass die Musik teilweise heitere Züge aufweist, ist nicht zu verkennen. Aber es werden auch schwermütige und trübselige Momente spürbar.
Insgesamt wartet Mahler mit einem vielschichtigen und ausgesprochen abwechslungsreichen Klanggemisch auf, das sich dank der hervorragenden Akustik des Goldenen Saales des Wiener Musikvereins voll entfalten kann. Die fantastische Klang- und Bildqualität der Blu-ray-Disc tun ein Übriges, um hier von einem musikalischen Erlebnis ersten Ranges zu sprechen. Daran haben auch der Dirigent Andris Nelsons und die prächtig disponierten Wiener Philharmoniker einen hohen Anteil. Man kann gut nachvollziehen, dass Nelsons einer der derzeit bedeutendsten Mahler-Interpreten ist. Die ungemein dichte, kompakte und farbenreiche Klanggestaltung, die er Mahlers 7. Symphonie angedeihen lässt, ist ungemein beeindruckend. Seine expressive, hoch emotionale und enorm spannungsgeladene Auslotung der Partitur geht unter die Haut. Er hält die Musik durchweg im Fluss und wartet mit imposanten Höhepunkten auf. Die von ihm und dem Orchester erzeugten gewaltigen musikalischen Ausbrüche sind grandios. Beachtlich ist auch Nelsons’ großartige Detailarbeit. Gekonnt beleuchtet er Einzelheiten, ohne dabei den von enormer Leuchtkraft geprägten Gesamtzusammenhang aus den Augen zu verlieren. Eine ganz große Leistung.
Ludwig Steinbach

 

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