Hugo Alfvén

Symphonic Works Vol. 2

Bergakungen Orkestersvit op. 37/Symphony No. 3 op. 23 in E major/Uppsala Rhapsody op. 24. Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Ltg. Lukasz Borowicz

Rubrik: CDs
Verlag/Label: cpo 555 237-2
erschienen in: das Orchester 07-08/2019 , Seite 68

Bis­lang gab es nur wenige Gesam­tauf­nah­men der eben­so raf­finierten wie dankbaren Orch­ester­w­erke des schwedis­chen Spät- und Nation­al­ro­man­tik­ers Hugo Alfvén (1872–1960) und noch keine einzige eines deutschen Orch­esters. Das ­ändert sich ger­ade, denn das Ent­deck­er-Label cpo kon­nte dafür Deutsch­land­funk Kul­tur, das Deutsche Sym­phonie-Orch­ester (DSO) Berlin und den pol­nis­chen Diri­gen­ten Łukasz Borow­icz gewin­nen. In der zweit­en Folge erklin­gen drei der heit­er­sten und zugle­ich gelun­gen­sten Werke des Meis­ters.

Im Mit­telpunkt ste­ht jene Sym­phonie Nr. 3 E-Dur op. 23, die Alfvén 1905 bei einem Aufen­thalt in Ital­ien schrieb, genauer gesagt in Sori bei Gen­ua und auf Capri, während ein­er Reise mit sein­er Geliebten und späteren Ehe­frau Marie. Ähn­lich wie der Finn­land­schwede Jean Sibelius in sein­er zweit­en Sym­phonie und der Schwede Wil­helm Sten­ham­mar in sein­er Ser­e­nade fand Alfvén erst im Licht des Südens zu sein­er kün­st­lerischen Iden­tität. So hören wir im ersten Satz die schwedis­chen Fiedel­spiel­er mit ihren Walz­ern und dem zweit­en Satz ver­lei­ht eine bal­ladenar­tige Melodie einen melan­cholis­chen Zug. „In dieser Sym­phonie habe ich nur um Klarheit und Licht gerun­gen“, schrieb Alfvén später in seinen Mem­oiren, „und um das Glück, lebendig zu sein. Sie ist ein Hym­nus auf das Glück, das ich in Ital­ien erlebt hat­te. Nichts weit­er.“

Dann kommt die 1907 für Schwe­dens Uni­ver­sitätsstadt Upp­sala kom­ponierte Upp­salara­p­so­di („Upp­sala-Rhap­sodie“) op. 24, eine Art „akademis­che Fes­tou­vertüre“, die – wie das Pen­dant von Johannes Brahms – einige Stu­den­ten­lieder enthält. Das geht von Über die Wälder, über die Seen von Adolf Fred­erik Lind­blad (dessen erste Sym­phonie in Leipzig von Felix Mendelssohn uraufge­führt wurde) bis zu Wie lang sollen wir im Nor­den… von Gun­nar Wen­ner­berg, in schwedis­chen Stu­den­tenkreisen gesun­gen auf den Text „Wo bleibt denn unser näch­ster Schnaps…“ Das ist Schwe­dens meistver­bre­it­etes Trin­klied und Alfvén zitiert es mit fal­l­en­den Klar­inet­ten-Fig­uren, die versinnbildlichen, wie das hoch­prozentige Getränk die Kehle herabrin­nt.

Zu Beginn der CD gibt es noch die 1932 ent­standene, zauber­hafte Orch­ester­suite op. 37 aus Alfvéns erfol­gre­ich­stem Bal­lett Bergakun­gen („Der Bergkönig“, 1916–23). Der let­zte Satz „Vall­flick­ans“ („Tanz der Hirtin“) ist eine beliebte Zugabe.

Die Ein­spielung hält eine gute Mitte zwis­chen Genauigkeit und Schwung. Schade nur, dass einige melodis­che Kon­turen ins­beson­dere der Lied-Zitate etwas ver­wis­cht wirken (da zeigt der Ver­gle­ich mit älteren skan­di­navis­chen Auf­nah­men, dass es noch präg­nan­ter geht). Die Freude bleibt aber am opu­len­ten Klang des DSO und der bril­lanten Auf­nah­me­tech­nik aus der leg­endären Jesus-Chris­tus-Kirche in Berlin-Dahlem.

Ingo Hod­dick