Martin Georgiev

Symphonic Triptych / Percussion Concerto Nr. 3 “Genesis” for Marimba and Symphonic Orchestra

Tatiana Koleva (Marimba), Bulgarian National Radio Symphony Orchestra, Ltg. Martin Georgiev

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Chronos ICSM Records 010
erschienen in: das Orchester 06/2017 , Seite 71

Mit dem CD-Debüt des jun­gen bul­gar­isch-britis­chen Tonkün­stlers Mar­tin Georgiev erre­icht uns aus Lon­don eine ganz eigene musikalis­che Erzählwelt. Den in der Schwarz­meerstadt Var­na im ortho­dox­en Glauben aufgewach­se­nen Kom­pon­is­ten leit­en oft­mals religiöse Vorstel­lun­gen. Sie bilden eine Art „inneres Pro­gramm“ sein­er Tonkun­st, das er mit Werk­titeln wie Secret, Verk­lärung, Gen­e­sis, Res­cue oder Soul Sear­ching andeutet. Seine Musik redet von Gott und den Men­schen. In ihr spiegeln sich Him­mel und Erde.
Seine musikalis­che Grun­daus­bil­dung erhielt er schon als Schulkind. Später studierte er an der Musikakademie „Pan­cho Vladi­gerov“ in Sofia Marim­ba, Dirigieren und Kom­po­si­tion. Weg­weisender wurde die Begeg­nung mit dem Kom­pon­is­ten und Diri­gen­ten Vas­sil Kazand­jiev, der ihn pri­vat so förderte, dass er ein Post­graduierten-Studi­um an der Roy­al Acad­e­my of Music in Lon­don aufnehmen kon­nte, das er 2013 mit der Pro­mo­tion im Fach Kom­po­si­tion abschloss. In der Spielzeit 2012/13 war Georgiev Res­i­den­zkom­pon­ist der Stadt Hei­del­berg. Sei­ther wirkt er als Assis­tant Con­duc­tor des Roy­al Bal­let am Covent Gar­den.
Inspiri­ert von computergestütz­ter Bild­ma­nip­u­la­tion entwick­elte er eine Kom­po­si­tion­stech­nik, die er „Mor­ph­ing Modal­i­ty“ nen­nt. Sie beruht auf den Grund­prinzip­i­en des byzan­ti­nis­chen und bul­gar­ischen Kirchenge­sangs. Im Marim­bakonz­ert Gen­e­sis (2011) nutzt er diese liq­uide Trans­for­ma­tion­stech­nik und den Aus­druck­sre­ich­tum des Soloin­stru­ments, um die geistige Trag­weite der bib­lis­chen Schöp­fungs­berichte auszumessen, wie die Bibelz­i­tate der Satzüber­schriften bezeu­gen.
Obwohl das Sym­phon­ic Trip­tych No. 1 (2006–2015) in zwei Phasen ent­stand, sind seine Teile so angelegt, dass sich eine Sym­phonie in drei Sätzen ergibt (auch einzeln auf­führbar). Der Kopf­satz kreist um Le­ben und Lei­den der Heili­gen Sofia (Weisheit) und ihrer drei im Werk­ti­tel genan­nten Töchter Glau­be, Hoff­nung und Liebe. Während der Chris­ten­ver­fol­gung Kaiser Diok­le­tians waren sie schwers­ten Prü­fun­gen aus­ge­set­zt, die sich im Wider­stre­it der Ton­wel­ten abbilden. Litur­gis­che Anklänge stoßen auf orgiastisch ver­formte Rhyth­men und Melo­di­en.
Auch das Mit­tel­stück Heav­en­ly Reflec­tions entspringt frühchristlich­er Über­liefer­ung. Die „himm­lis­chen Betra­ch­tun­gen“ spiegeln das Ver­schwinden des Lichts und der Vol­lkom­men­heit aus der Schöp­fung. Den Schlussteil des Zyk­lus, Res­cue, wid­mete der Kom­pon­ist sein­er ver­stor­be­nen Tante, ein­er Rean­i­ma­tion­särztin. Zugle­ich „bedenkt“ die Musik den Kreuzestod und die Aufer­ste­hung Christi als See­len­ret­ter wie auch die Bergung ertrink­ender Boots­flüchtlinge aus dem Mit­telmeer. Das zweima­lige, heik­le Kon­tra­bass-Solo ver­ste­ht sich als Vox Christi.
Bei­de Auf­nah­men mit dem Sin­fonieorch­ester des Bul­gar­ischen Rund­funks ent­standen unter Leitung des Kom­pon­is­ten im Funkhaus Sofia. Solistin des Marim­bakonz­erts war seine Wun­schin­ter­pretin Tatiana Kol­e­va. Authen­tis­ch­er geht’s nicht.
Lutz Lesle

1 thought on “Symphonic Triptych / Percussion Concerto Nr. 3 “Genesis” for Marimba and Symphonic Orchestra

Kommentare sind geschlossen.