Louis de Caix d’Hervelois

Suite No. 2

für Fagott, Streicher und Cembalo, arr. von Hanno Dönneweg, Partitur und Stimmen

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Fahora Verlag
erschienen in: das Orchester 7-8/2022 , Seite 63

Elegante Melodieführung, Leichtigkeit und Virtuosität zeichnen die Musik von Louis de Caix d’Hervelois aus. Über sein Leben ist nur bekannt, dass er im französischen Norden geboren wurde, zweifellos Schüler von Marin Marais und Sainte-Colombe war, etwa von 1680 bis 1759 gelebt hat und als freischaffender Komponist und Gambist seinen Lebens­unterhalt in Paris mit Unterrichten, Konzerten und Widmungen seiner Werke bestritten zu haben scheint. Er hinterließ Charakterstücke und Suiten in Sammlungen für Viola da Gamba sowie für Flöte, die den Gambenkompositionen entsprechen.
Nachdem einige seiner Werke später für Cello umgearbeitet wurden, liegt es nahe, sie auch als Fagottrepertoire zugänglich zu machen. Im Fahora Verlag, der eine wachsende Auswahl an Arrangements für Fagottensemble sowie gemischtes Ensemble mit Solofagott anbietet, ist eine der beiden Suiten Nr. 2 – die in d-Moll, original mit Basso continuo – in einer interessanten Fassung für Solofagott mit Streichern und Cembalo erschienen: fünfsätzig, mit einem eröffnenden Prélude, einem virtuosen Allegro sowie Menuett, Plainte und Neapolitaine. Die barocken Verzierungen in den langsamen Sätzen sind überliefert. Arrangeur der vorliegenden Ausgabe ist Hanno Dönneweg, Solofagottist des SWR Symphonieorchesters in Stuttgart.
Das Cembalo übernimmt zusammen mit Cello und Kontrabass den Basso-continuo-Part, zwei Violinen und Viola bekommen die Harmonien und Melodien des ausgesetzten Generalbasses. Für die Fagottstimme wurde die hohe Lage der Gambe beibehalten, sie bewegt sich überwiegend im eingestrichenen Bereich. Nur in den schnellen Sätzen streift das Fagott bei Elemen­ten mit Sprüngen die Mittellage, selten kommt es darunter. Fagottist:innen, die sich in der Altlage erst richtig wohlfühlen, kommen hier auf ihre Kosten. Ein kräftiger und vor allem ausdauernder Ansatz ist gefordert. Die obertonreichen tieferen Lagen des Fagotts spielen keine Rolle. Es ist zu überlegen, ob man als Interpret:in nicht einige Pas­sagen nach unten oktaviert, damit auch die sonore Komponente des Fagotts zur Geltung kommen darf.
Eine ansprechende Titelseite und sauberer Druck zeichnen die Ausgabe aus. Ein Vorwort wäre allerdings wünschenswert, um etwas über den Komponisten und die originale Vorlage des Arrangements zu erfahren.
Die fünf Sätze der Suite sind mit Tempoangaben versehen, freilich nicht vom Komponisten. Man kommt bei der Interpretation diesbezüglich sicher zu eigenen Schlüssen. Sie können als Anhaltspunkt zum Mitspielen bei der mitgelieferten Play-along-Version dienen –
einer zum Üben gedachten, leider künstlich erzeugten Streicherbegleitung, die sich beim Scannen des abgedruckten QR-Codes öffnet. Eine Besonderheit dieser Ausgabe.
Hohe Streicher zum Generalbass dazu zu nehmen, ist eine gute Idee des Herausgebers und erweitert die unbekannte Suite zu attraktiver Kammermusik für Fagott mit Streichern und Cembalo. <
Annette Winker