Dmitri Shostakovich
Suite für Variety Orchestra („Jazz Suite No. 2“)/ Concerto for Piano, Trumpet and String Orchestra No. 1 op. 35/ The Golden Age op. 22
Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt, Ltg. Howard Griffiths
Drei auf den ersten Blick unterschiedliche Werke Dmitri Schostakowitschs präsentiert die CD mit dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt unter der Leitung von Howard Griffiths. Dennoch verbinden die 2. Suite für Jazzorchester mit dem populären und oft gespielten Walzer, das 1. Konzert für Klavier, Trompete und Streicher op. 35 und die viersätzige Suite aus dem Goldenen Zeitalter op. 22 zahlreiche Momente und Züge unterhaltsamer, parodistischer wie auch ironischer Art. Das bunt gestaltete Booklet nimmt dieses, erst spät bei Schostakowitsch entdeckte Mittel seiner Auseinandersetzung mit dem Stalinismus und der sowjetischen Ästhetik bereitwillig auf und nennt es: „Shostakovich oder: Wenn Ironie zur Musik wird“.
Letztgenannte Suite stammt aus dem dreiaktigen, mit über 40 kürzeren und längeren Tanznummern versehenen Ballett, welches Schostakowitsch Ende der 1920er Jahre komponierte. Darin geben sich zum einen dekadente, westliche Sportler lasziver und bourgeoiser, also „kranker“ Musik hin, wohingegen zum anderen die strammen sowjetischen Jungs sportlich wie moralisch siegen, weil diese von der „gesunden“ Musik der Sowjetunion geprägt sind. Bei der manchmal herrlich überdrehten und überspitzt klingenden Musik ist es beinahe schade, dass Dirigent und Orchester sich nur für jene vier Sätze mit einer guten Viertelstunde Dauer entschieden haben, die Schostakowitsch fünf Jahre nach der Uraufführung aus ehemals sieben Sätzen zusammengezogen hatte. Dennoch kommt die vorgestellte Musik frisch und unverbraucht mit viel Schmiss und Witz daher. Besonders gut austariert sind hier die Bläser mit der vorwitzigen Es-Klarinette und dem „lasziven“ Saxofon. Die Akteure verstehen es hier wie auch in der die CD eröffnenden 2. Suite für Jazzorchester, die verschiedenen Stile bestens einzufangen. Letztere wurde 1988 erstmals aufgeführt und besteht aus einer, wohl in den 1950er Jahren für ein Varieté-Orchester vom Komponisten selbst zusammengestellten Reihe von insgesamt acht vorwiegend bekannten „Tanzsätzen aus verschiedenen Film- und Ballettmusiken“, so Franz Groborz im Begleitheft der CD.
Hauptwerk aber ist das Klavierkonzert Nr. 1 aus dem Jahr 1933, entstanden während einer extrem produktiven Phase im Schaffen Schostakowitschs, in der er auch seine Oper Lady Macbeth komponierte. Antonij Baryschewskij (Klavier) und Romain Leleu (Trompete) sind die Solisten in dem viersätzigen Konzert, die sowohl die kantablen und lyrischen Momente im Lento, aber auch die parodistischen Zitate, welche das Werk wie rote Fäden durchziehen, bestens herausarbeiten. Im manchmal mit atemberaubend schnellen Presto-Abschnitten beschleunigten Finalsatz erklingt der Klavierpart mit ausgereifter, virtuoser Technik und trotzdem mit Raum für viel Witz, von Solo-Trompete mit klarem Ton und prägnant und zum Ende schmetternd kommentiert. Aber auch die Streicher begleiten überaus präzise und sind in den orchesteralen Stellen mit spielfreudigem Elan stets zur Stelle.
Werner Bodendorff


