Penderecki, Krzysztof

Suite

per violoncello solo

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2014
erschienen in: das Orchester 03/2015 , Seite 72

Krzysztof Pen­derec­ki zählt zu den bekan­ntesten und am häu­fig­sten aus­geze­ich­neten Musik­ern sein­er Gen­er­a­tion. Der 1933 in Polen geborene Kom­pon­ist wurde bere­its 1958 als Pro­fes­sor an die Krakauer Staat­sakademie für Musik berufen. Zudem machte er sich als Diri­gent einen Namen und bek­lei­det etliche Ehren­ti­tel inter­na­tionaler Uni­ver­sitäten. Viele sein­er Werke sind in zeit­geschichtlichem Zusam­men­hang zu sehen und greifen in ihrer Aus­drucksstärke damit ver­bun­dene Emo­tio­nen hör­bar auf. So ent­stand beispiel­sweise das Klavierkonz­ert Res­ur­rec­tion unter dem Ein­druck der Anschläge vom 11. Sep­tem­ber 2001.
Auch die Zusam­me­nar­beit mit anderen Musik­ern inspiri­ert Pen­derec­ki zu Kom­po­si­tio­nen unter­schiedlich­ster Gat­tun­gen. So sind einige Sätze der hier vor­liegen­den Suite Boris Perga­men­schikow gewid­met, von ihm uraufge­führt und mit Fin­ger­sätzen und Bogen­strichen ein­gerichtet wor­den. Die Suite für Vio­lon­cel­lo solo verbindet tra­di­tionelle For­men mit mod­er­nen Klän­gen und Spiel­tech­niken. Pen­derec­ki selb­st beschreibt sein kom­pos­i­torisches Arbeit­en fol­gen­der­maßen: „Ich habe Jahrzehnte damit ver­bracht, neue Klänge zu suchen und zu find­en. Gle­ichzeit­ig habe ich mich mit For­men, Stilen und Har­monien der Ver­gan­gen­heit auseinan­derge­set­zt. Bei­den Prinzip­i­en bin ich treu geblieben… Mein derzeit­iges Schaf­fen ist eine Syn­these.“
Bemerkenswert ist die lange Kom­po­si­tion­szeit der Suite: Sie ent­stand über einen Zeitraum von zwanzig Jahren. Pen­derec­ki hat sein Diver­ti­men­to aus dem Jahr 1994 mit den Sätzen Ser­e­nade, Scher­zo und Not­turno über die Jahre immer wieder durch weit­ere Solostücke ergänzt. Hinzugekom­men sind die Sara­bande (2001), Tem­po di valse (2004), Aria (2006), Alle­gro con bravu­ra (2010) und zulet­zt das Pre­lu­dio (2013), das Pen­derec­ki als Pflicht­stück für den in Helsin­ki behei­mateten Inter­na­tion­al Paulo Cel­lo Com­pe­ti­tion kom­poniert hat.
Alle acht Stücke sind nun vom Kom­pon­is­ten als Suite zusam­menge­fasst und neu her­aus­gegeben wor­den. Sie sind in unter­schiedlichen Zusam­men­hän­gen ent­standen und zeigen das Vio­lon­cel­lo in ganz ver­schieden­em Licht und Charak­ter: Während Sara­bande und Aria eher getra­gen erscheinen und auch for­mal an das Vor­bild der Bach’schen Cel­losuit­en erin­nern, sind Ser­e­nade und Tem­po di valse durch Heit­erkeit und tänz­erischen Ges­tus charak­ter­isiert. Alle­gro con bravu­ra und Scher­zo bestechen durch Vir­tu­osität und Tem­po. Im Pre­lu­dio kom­men vielfältige Artiku­la­tions­for­men zum Ein­satz. Abgerun­det wird die Suite durch das ruhige Not­turno.
Der Kom­pon­ist ver­langt dem Cel­lis­ten im ganzen Werk sowohl spiel­tech­nisch als auch in der musikalis­chen Gestal­tung sehr viel ab. Bei der Auf­führung ist das große und über­sichtlich gestal­tete Noten­bild sich­er eine Hil­fe. Alle Sätze der Suite sind auch einzeln wirkungsvoll. Ihre Verbindung zu einem viel­seit­i­gen und abwech­slungsre­ichen Zyk­lus erzielt jedoch einen beson­deren Reiz für Inter­pret und Hör­er.
Anna Catha­ri­na Nimczik