Isasi, Andrés

String Quartets Nos. 1 and 5

Isasi Quartet

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Naxos 8.572462
erschienen in: das Orchester 11/2015 , Seite 84

Andrés Isasi hat das Schick­sal nicht ger­ade in ein Zen­trum der europäis­chen Avant­garde am Beginn des 20. Jahrhun­derts hineinge­boren. Das zeit­igt für den 1890 im Basken­land zur Welt gekomme­nen Mann, dessen musikalis­ches Tal­ent in der großväter­lichen Fam­i­lie (die Eltern waren früh gestor­ben) schon bald zutage tritt, Fol­gen: Mit 19 muss der junge Mann hin­aus in die Welt, es zieht ihn nach Deutsch­land, nach Berlin. Der Pianist und Kom­pon­ist wird Schüler von Karl Kämpf und Engel­bert Humperdinck, studiert Brahms, bewun­dert Strauss und schreibt und schreibt. Unter anderem etliche Orch­ester­w­erke, viele Lieder auf eigene Texte, Vokal- und Kam­mer­musik.
Aber als Isasi bei Aus­bruch des Ersten Weltkriegs nach Bil­bao zurück­kehrt, will dort kaum jemand seine Werke hören. Dünnhäutig und von Selb­stzweifeln durch­drun­gen zieht sich Isasi aufs Land zurück und kom­poniert fürs Archiv der Musikgeschichte, in dem sich ja so viel Vergessenes türmt. Als er 1940 stirbt, ken­nt den Kom­pon­is­ten Isasi kaum noch jemand. Für das Label Nax­os und seine Rei­he „Span­ish Clas­sics“ hat jet­zt das spanis­che Isasi Quar­tet die fünf Stre­ichquar­tette dem Vergessen­sein entris­sen. Die dritte und let­zte Folge dieses ver­di­en­stvollen Unternehmens stellt mit den Stre­ichquar­tet­ten Num­mer 1 und 5 wahrhaft hörenswerte und äußerst dankbar zu musizierende Werke der geneigten Öffentlichkeit in Welt-Erstein­spielung vor (siehe auch die Besprechun­gen in das Orch­ester 5/2013, S. 73, und 4/2014, S. 79).
Isasi ist ein Spätro­man­tik­er von For­mat. Seine The­men schwel­gen in wun­der­bar sin­gen­den Melo­di­en, er erfind­et über­aus orig­inelle Stim­mungen für die handw­erk­lich sou­verän beherrschte  Stre­ichquar­tet­tbe­set­zung und über­rascht bisweilen durch ver­we­gene Har­monik. Nicht zulet­zt weisen sowohl das frühe (mit 21 kom­ponierte) erste Quar­tett wie auch das Opus 31 von 1921 bei allem Rück­bezug auf roman­tis­che Ide­ale einen bemerkenswerten for­malen Reich­tum auf.
Das Isasi Quar­tet zeigt sich als ein über jeden Zweifel erhaben­er Klangkör­p­er von hoher Pro­fes­sion­al­ität. Man hört gle­ich, dass die vier Musik­er – Anna Bohi­gas, Annick Roussin, Karsten Dobers und Yvan Chif­foleau – viel deutsche und franzö­sis­che Roman­tik im Reper­toire haben. Warmtönig und mit hoher Sen­si­bil­ität für
inten­siv­en, dabei immer durch­sichti­gen Zusam­men­klang führen sie Isas­is Werke ger­adezu mustergültig vor.
Als Zugabe präsen­tiert die CD noch Isas­is Vio­lin­sonate, die die Pri­maria des Quar­tetts, Anna Bohi­gas, zusam­men mit der Pianistin Mar­ta Zabale­ta musiziert. Kata­lanis­che The­men liegen der Kata­lanin, die in Bor­deaux eine Pro­fes­sur für Geige innehat, natür­lich. Ein schönes, dabei gar nicht mal so volk­stüm­lich­es Stück Musik. Man darf sich über diese Neuent­deck­un­gen freuen.
Armin Kau­manns