Arnold Krug

Streichsextett op. 68/Klavierquartett op. 16

Linos Ensemble

Rubrik: CDs
Verlag/Label: cpo
erschienen in: das Orchester 07-08/2018 , Seite 69

Feinsin­niger Ham­burg­er Ton­set­zer“, heißt es über Arnold Krug in einem pop­ulären Kam­mer­musik­führer aus dem Ende der Weimar­er Zeit. Wil­helm Alt­mann hat­te diese loben­den Worte für den heute völ­lig unbekan­nten Brahms-Zeitgenossen übrig, dessen Werk wiederzuer­weck­en sich eine empfehlenswerte CD mit dem Linos Ensem­ble auf die Fah­nen schreibt.
Die Musik­er, die unter diesem Namen in wech­sel­nden Beset­zun­gen jet­zt schon seit 40 Jahren für exzel­lente Inter­pre­ta­tio­nen außergewöhn­lich­er Pro­gramme ste­hen, spie­len von Bach bis Stock­hausen so ziem­lich alles, was ihnen inter­es­sant erscheint. Vom Trio bis zur Kam­mer­musik. Oboist Klaus Beck­er hat das nach dem griechis­chen Gott des Rhyth­mus und der Melodie benan­nte Ensem­ble 1977 gegrün­det, in dieser lan­gen Zeit etwa in Köln viel neue Musik (ur-)aufgeführt, aber auch mit Kabaret­tist Hanns Dieter Hüsch gear­beit­et oder mit Salome Kam­mer den Pier­rot Lunaire ver­wirk­licht. Zulet­zt, 2017, kam mal wieder ein Echo Klas­sik über die Musik­er, für Franz Schmidts Kam­mer­musik. Über 40 CDs bele­gen Kön­nen und Orig­i­nal­ität des Linos Ensem­bles.
Mit Arnold Krug gelingt eine weit­ere Ent­deck­ung. Sein Stre­ich­sex­tett op. 68 blüht in einem Ton, der an Brahms geschult ist, aber orig­inelle Fan­tasie und ein großes Gespür für feine, melan­cholis­che Stim­mungen an den Tag legt, dem­nach mit Gewinn zu spie­len ist. In der Beset­zung mit zwei Geigen, zwei Bratschen, Cel­lo und Kon­tra­bass nimmt das dreisätzige Sex­tett fast sym­phonis­che Züge an. Ger­ade das Ada­gio mit seinen aus­gedehn­ten Kan­tile­nen offen­bart den am Gesang geschul­ten Kom­pon­is­ten.
Krug, 1849 in Ham­burg geboren und eben­dort 1904 gestor­ben, drängte es nicht wie seine Land­sleute Mendelssohn und Brahms in die weite Welt hin­aus. Er kam nach Stu­di­en in Leipzig und Lehr­jahren in Berlin in die Elb­metro­pole zurück, grün­dete einen Gesangvere­in, die Arnold Krug’sche Sin­gakademie, arbeit­ete als Kom­po­si­tion­slehrer am Stern’schen Kon­ser­va­to­ri­um und als Diri­gent. Chor­w­erke und Klavier­minia­turen sind von ihm über­liefert, jet­zt find­et seine rare Kam­mer­musik neu Beach­tung.
Neben dem Sex­tett, das den Beinah­men „Preis-Sex­tett“ trägt, weil Krug damit 1896 einen Kom­po­si­tion­swet­tbe­werb in Dres­den gewann, hat das Linos Ensem­ble das Klavierquar­tett von 1879 in diese gute Stunde pur­er Spätro­man­tik aufgenom­men. Es ist reich an stim­mungsvollen Szenen in immer neuen Far­ben und Har­monien. Nach einem Rom-Aufen­thalt ent­standen, spielt das Werk in seinem Final­satz auf das karneval­is­tis­che Treiben der ital­ienis­chen Haupt­stadt an, wen­det sich dabei von der Haupt­tonart c-Moll ins funkel­nde C-Dur. Im tur­bu­len­ten Scher­zo geht es regel­recht gespen­stisch zu. Alles in allem ein Werk, das sich nicht nur span­nend anhört, son­dern auch span­nend zu musizieren sein dürfte. Die Kopro­duk­tion des Osnabrück­er Labels cpo mit dem Deutsch­land­funk stammt aus dem Jahr 2014, hört sich aber noch taufrisch an.
Armin Kau­manns