Johann Matthias Sperger

Streichquartette Band I: 3 Quartette op. 1 / Streichquartette Band II: Quartette B‑Dur und g‑Moll

hg. von Reinhard Wulfhorst

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Edition Massonneau
erschienen in: das Orchester 03/2022 , Seite 68

Johann Matthias Sperg­er dürfte fast nur einge­fleis­cht­en Kon­tra­bassis­ten bekan­nt sein. Als Vir­tu­ose auf seinem volu­minösen Instru­ment hat der Mozart-Zeitgenosse einein­halb Dutzend Kon­tra­basskonz­erte hin­ter­lassen, die auf­grund ihres Schwierigkeits­grads auch heute noch ein ziem­lich­es Schat­ten­da­sein im Konz­ert­be­trieb fris­ten. Seine übri­gen Orch­ester­w­erke, darunter Konz­erte für Bläs­er und fast 50 Sin­fonien, wer­den ger­ade vor­sichtig wieder­ent­deckt und sind in ein­er kleinen Auswahl auch bere­its auf Ton­trägern verfügbar.
Sperg­ers Kam­mer­musik jen­seits der etwas exo­tis­cheren Beset­zun­gen mit Kon­tra­bass dage­gen wartet noch auf ihre Ent­deck­ung. Dabei helfen möchte der kleine Ver­lag Edi­tion Mas­son­neau in Schw­erin, der nach Louis Mas­son­neau, dem her­zoglichen Konz­ert­meis­ter zu Beginn des 19. Jahrhun­derts, benan­nt ist. Mit ihm zusam­men ver­richtete Johann Matthias Sperg­er in der Lud­wigslus­ter Hofkapelle unter der Leitung von Anto­nio Roset­ti seinen Dienst.
Die bei­den Bände mit zusam­men fünf Stre­ichquar­tet­ten machen ver­traut mit einem Kom­pon­is­ten, der sich ganz offen­sichtlich mit den berühmteren sein­er Zeitgenossen messen kon­nte. Und die drei Quar­tette op. 1 sind vielle­icht auch nicht umson­st die einzi­gen zu Lebzeit­en des Urhe­bers gedruck­ten Werke. 1791 veröf­fentlicht ist dieses Opus 1 ein nicht zu über­hören­des musikalis­ches Aus­rufeze­ichen, das zu sein­er Zeit ganz bes­timmt weit über Nord- und Mit­teldeutsch­land hin­aus Aufmerk­samkeit auf sich gezo­gen hat. Sperg­ers Zeitgenossen dürften die drei Quar­tette in F‑, A- und C‑Dur sich­er mit den jew­eils neuesten Werken von Haydn oder den let­zten Stre­ichquar­tet­ten von Mozart ver­glichen haben. Aufge­fall­en sind ihnen dabei ver­mut­lich die sehr gesan­glichen, tief­gründi­gen Bin­nen­sätze. In diese klangschö­nen Ada­gios legt der Kom­pon­ist viel gestal­tendes Gewicht, hier lässt er seine vier Stre­ich­er zur großen gesan­glichen Lin­ie anheben.
Johann Matthias Sperg­er behan­delt die bei­den Vio­li­nen, die Vio­la und das Vio­lon­cel­lo in allen vor­liegen­den Quar­tet­ten gle­ich­berechtigt, teilt ihnen zahlre­iche Soli zu und ermöglicht immer wieder auch etwas (streich-)orchestralen Glanz. Der musikalis­che Diskurs der vier Instru­mente ist in den Eck­sätzen leb­haft und gut struk­turi­ert, und die bisweilen kecke Har­monik ver­lei­ht der Musik zusät­zliche Impulse. Sperg­er erwartet von seinen Pro­tag­o­nis­ten eine meis­ter­hafte Beherrschung ihrer Instru­mente und eine aus­ge­wo­gene Kom­bi­na­tion von solis­tis­ch­er Attacke und gesan­glich­er Homogenität.
Daniel Knödler