Dvorák, Antonín

Streichquartett F-Dur op. 96

"Amerikanisches Quartett", hg. von Peter Jost, Studienpartitur/Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Henle, München 2015
erschienen in: das Orchester 10/2016 , Seite 59

Es gehört wohl zu den pop­ulärsten und beliebtesten Stre­ichquar­tet­ten über­haupt: das soge­nan­nte Amerikanis­che Stre­ichquar­tett von Antonín Dvorák, das er 1893 in Spillville/Iowa kom­ponierte. Dem voraus­ge­gan­gen war die Kom­po­si­tion der Sin­fonie aus der Neuen Welt. Unmit­tel­bar nach dem Amerikanis­chen Quar­tett, dessen Titel jedoch nicht von ihm stammt, set­zte Dvorák noch einen oben drauf und schrieb sein Stre­ichquin­tett op. 97: so die Genese dieser amerikanisch geprägten Tri­ade.
Peter Jost hat beim Münch­n­er Hen­le-Ver­lag eine mit wis­senschaftlich­er Akri­bie bear­beit­ete Urtex­taus­gabe her­aus­gegeben. Für Par­ti­tur und Stim­men diente – wie bere­its bei der Erstaus­gabe von 1894 – allerd­ings nicht „die auto­graphe Par­ti­tur, son­dern die heute ver­schol­lene Par­ti­turab­schrift sowie die eben­falls ver­schol­lene Stim­menab­schrift“. Als Dvorák bei der Probe in Spillville die erste Vio­line spielte, änderte er im ursprünglichen Noten­text der Par­ti­tur und der Stim­men Dynamik und Phrasierung und griff auch in den Noten­text ein. Joseph Jan Kovarík, ein dort leben­der tschechis­ch­er Musik­er­fre­und, der Dvorák in Ameri­ka begleit­ete, schrieb den rev­i­dierten Noten­text ab, welch­er dann später als Stichvor­lage diente.
Und da keine Zweifel über deren Autorisierung beste­hen, bildete diese Quelle auch für diese Edi­tion die Grund­lage – wohl wis­send, „dass die Druck­fah­nen nicht von Dvorák selb­st, son­dern von Brahms Kor­rek­tur gele­sen wur­den. Bei Wider­sprüchen und zweifel­haften Stellen“, so Jost in seinen Bemerkun­gen, wurde die auto­grafe Par­ti­tur herange­zo­gen, wie beispiel­sweise in Takt 242 des Final­satzes in der Vio­lon­cel­lostimme, wo in der Par­ti­tur ein c anstatt ein g notiert ist; wobei das auto­grafe und kaden­zierende c von der Har­monik nicht unbe­d­ingt falsch wäre. Jost und frühere Her­aus­ge­ber entsch­ieden sich den­noch für die Orgelpunk­t­vari­ante.
Auf knapp sechs Seit­en mit Einzelbe­merkun­gen wur­den alle Änderun­gen von Seit­en des Her­aus­ge­bers im Gegen­satz zu eini­gen älteren Aus­gaben des Werks doku­men­tiert. Einige wichtige Änderun­gen sowie Kor­rek­turen im Auto­graf, die der Kom­pon­ist selb­st vorgenom­men hat­te, oder auch Vorschläge wie das fragliche as³ in Takt 102 im Kopf­satz der ersten Vio­line befind­en sich im Noten­text der Par­ti­tur. Wegen der besseren Les­barkeit sind es nur wenige in den Stim­men selb­st, wie eben besagtes c in der Cel­lostimme. Diese Sicht­bar­ma­chung gilt auch für nachträgliche Änderun­gen im Auto­graf, die der Kom­pon­ist selb­st vorgenom­men hat­te, wie in Takt 189 in der ersten Vio­line im Final­satz.
So sind in der Stimme der ersten Vio­line auch das rel­a­tiv kurze, aber infor­ma­tive, dreis­prachige Vor­wort neb­st den zahlre­ichen Einze­lan­merkun­gen sowie der Quel­len­nach­weis abge­druckt, falls die Par­ti­tur nicht benötigt würde. Das exzel­lent les­bare und blät­ter- wie umbruch­fre­undliche Stim­men­ma­te­r­i­al fol­gt den heuti­gen, hohen Stan­dards und lässt zum Teil aus­re­ichend Platz für Striche und weit­ere Ein­tra­gun­gen.
Wern­er Boden­dorff