Werke von Georg Breinschmid, Florian Willeitner, Henryk Wieniawski und anderen

Stradihumpa

Benjamin Schmid (Violine), Andreas Martin Hofmeir (Tuba)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: The Art Company
erschienen in: das Orchester 11/2018 , Seite 78

Von Andreas Mar­tin Hofmeir ist die Fach­welt einiges gewöh­nt, denn was der Pro­fes­sor am Mozar­teum Salzburg anfasst, ist garantiert kein Main­stream: So lässt der Tubist sein Instru­ment gerne zusam­men mit Harfe, Akko­rdeon oder Gitarre erklin­gen, schreibt – wie man meinen kön­nte – beina­he neben­her das Buch Kein Aufwand! (auch als Hör­buch erhältlich) und glänzt auf Lesun­gen und beim musikalis­chen Kabarett.
Bei seinem neuesten Ton­träger gesellt sich Ben­jamin Schmid (eben­falls Mozar­teum Salzburg) mit sein­er Vio­line dazu. Gemein­sam erbrin­gen sie den Beweis, dass diese bei­den auf den ersten Blick sehr unter­schiedlichen Instru­mente in einen dur­chaus hörenswerten Dia­log miteinan­der treten kön­nen. So gibt es neben Arrange­ments von Stück­en der klas­sis­chen Musik Vielfältiges aus der Welt des Jazz und ergänzend Werke zeit­genös­sis­ch­er Kom­pon­is­ten zu erleben. Beson­ders hörenswert ist Johan Halvor­sons Pas­sacaglia nach The­men von Georg Friedrich Hän­del (im Orig­i­nal für Vio­line und Vio­la). Die hochvir­tu­ose Inter­pre­ta­tion der bei­den Solis­ten ist streck­en­weise mit jazz­i­gen Ele­menten angere­ichert, driftet jedoch niemals ins Lächer­liche ab.
Schmid ver­ste­ht es meis­ter­haft, sich mit wan­del­barem Klang in die volksmusikhaften Werke einzubrin­gen. Ger­adezu karika­tur­is­tisch und doch tech­nisch hoch anspruchsvoll ist das dreisätzige Con­certi­no vom Lande von Christof Dienz. Die Sätze „Der wank­ende Trak­tor­fahrer“, „Am Abend dann“ und „Beim Fernse­hen“ erin­nern beina­he an eine Sym­phonis­che Dich­tung, die die Fan­tasie von Inter­pre­ten und Hör­ern gle­icher­maßen anre­gen möchte. Bei der Etude in g-Moll op. 18 von Hen­ryk Wieni­aws­ki in einem Arrange­ment der bei­den Solis­ten be­wei­sen Schmid und Hofmeir, dass Vio­line und Tuba sehr wohl als gle­ich­berechtigte Kam­mer­musik­part­ner­in­nen daherkom­men kön­nen. Hof­meirs lebendi­ger Ton und seine gro­ße Flex­i­bil­ität machen die jazz­i­gen Stücke des Ton­trägers wie Minia­ture von Georg Brein­schmid oder João Boscos Latin Lover zu einem Ohren­schmaus. In Let­zt­ge­nan­ntem spielt Schmid sämtliche Trumpfkarten sein­er Vir­tu­osität gekon­nt aus.
Der 1991 in Pas­sau geborene Kom­pon­ist Flo­ri­an Willeit­ner hat für das Auf­tragswerk 1+1=3: The Abstrac­tion Of Beau­ty mit Dop­peltö­nen, Geräuschen und dem Ein­satz der Stimme gear­beit­et. Ein­er kurzen solis­tis­chen Eröff­nung der Tuba fol­gt ein lyrisch­er Choral, der in der darauf­fol­gen­den schnellen und har­monisch-rhyth­misch kom­plex­en Pas­sage immer wieder her­vor­blitzt und den teils drama­tis­chen Momenten der Kom­po­si­tion etwas Tröstlich­es zu geben ver­ste­ht. Eben­falls eine Auf­tragskom­po­si­tion ist das Duet­to op. 5/5 von Jörg Duda, dessen vor eini­gen Jahren für Hofmeir kom­poniertes Tubakonz­ert mit­tler­weile zu einem Stan­dard­w­erk der Solo­lit­er­atur für Tuba avanciert ist.
Eine ungewöhn­liche, aber sehr hörenswerte Kom­bi­na­tion von Vio­line und Tuba, die die bei­den Inter­pre­ten der Spitzen­klasse mit viel Liebe zum Detail zu einem Erfolg wer­den lassen.
Kristin Thiele­mann