Huw Watkins

Spring for orchestra

Studienpartitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, London 2018
erschienen in: das Orchester 10/2018 , Seite 66

Der wal­i­sis­che Kom­pon­ist Huw Watkins (*1976) studierte in Man­ches­ter, Cam­bridge und am Roy­al Col­lege of Music in Lon­don Klavier und Kom­po­si­tion. Er ist derzeit Hon­orary Research Fel­low für Kom­po­si­tion an der Lon­don­er Roy­al Acad­e­my of Music. Neben divers­er Kam­mer­musik schuf er eine Sin­foni­et­ta und eine Hymne für Orch­ester sowie ein Lon­don Con­cer­to für Vio­line, Fagott, Harfe und Orch­ester, zudem ein Klavierkonz­ert, ein Vio­linkonz­ert und ein Dop­pelkonz­ert für Vio­la, Cel­lo und Orch­ester.
Sein neuestes Werk Spring wurde 2017 kom­poniert und am 19. Jan­u­ar 2018 vom BBC Nation­al Orches­tra of Wales unter Leitung von Ryan Wig­glesworth in der St. David’s Hall in Cardiff uraufge­führt. Die Stu­di­en­par­ti­tur wurde im März 2018 fer­tiggestellt. Sie ist sehr über­sichtlich und gut les­bar geset­zt und zum Ken­nen­ler­nen des Werks gut geeignet. Der Ver­lag weist darauf hin, dass aktuelle Änderun­gen an der Kom­po­si­tion stattge­fun­den haben kön­nen, welche in die Auf­führungs­ma­te­ri­alien eingear­beit­et sind, die dann als Leih­ma­te­r­i­al zur Ver­fü­gung ste­hen.
Die Beset­zung des etwa eine Vier­tel­stunde dauern­den ein­sätzi­gen Orch­ester­stücks entspricht der eines roman­tis­chen Orch­esters mit jew­eils drei Flöten, Klar­inet­ten, Fagot­ten, Trompe­ten und Posaunen, vier Hörn­ern, ein­er Harfe und zwei dezent einge­set­zten Schlagzeu­gen. Meis­tens herrscht der 5/8-Takt vor und ein schnelles Grundtem­po. Aus diesen rhyth­misch leb­haften Bewe­gun­gen entwick­elt Huw Watkins eine far­ben­re­iche, organ­isch ver­wobene Musik in ein­er gemäßigt mod­er­nen Ton­sprache.
Zu Beginn entwick­elt sich aus den Sechzehn­tel­tri­olen­be­we­gun­gen der Flöten ein fil­igraner Klangtep­pich, unter­stützt durch aug­men­tierte Motive der Stre­ich­er, in welchem sich die Inter­valle allmäh­lich ver­größern, sequen­ziert wer­den und zu neuen Motiv- und The­men­bil­dun­gen führen. In den ruhigeren Zwis­ch­enepiso­den kommt auch die Harfe schön zur Gel­tung. Es ent­fal­ten sich ver­schiedene Inter­vallgesten, die wie Anspielun­gen auf wal­i­sis­ches und englis­ches Volk­sliedgut klin­gen und in tänz­erischen Synkopen durch man­nig­faltige, hin und wieder medi­antisch gele­gene Tonarten führen.
Diese gut orchestri­erte sin­fonis­che Dich­tung ist über­aus abwech­slungsre­ich und in der motivisch kon­se­quenten Arbeit organ­isch und geschlossen. Dieser Ein­druck wird zudem durch den For­mauf­bau unter­stützt, hier beson­ders durch das Auf­greifen des ersten Abschnitts gegen Ende. Die Tri­olen­be­we­gun­gen der Flöten wer­den später von den höheren Stre­ich­ern fort­ge­führt. Solche hellen Klang­far­ben unter­stützen das früh­ling­shafte Auf­blühen dieser Musik. Die Klangket­ten wer­den in Sekund­be­we­gun­gen ver­schränkt, wobei die Dis­so­nanz weniger vorder­gründig wirkt, denn es ist alles in ständi­ger Bewe­gung, die erst am Ende abebbt und im gehal­te­nen Ton fis der Bratschen unter dem lydis­chen G-Dur der bei­den Vio­li­nen, der Harfe und der Flöten nachk­lingt.
Christoph J. Keller