Spotlight on John Williams

Reinhold Friedrich (Trompete), Paul Meyer (Klarinette), Valentine Michaud (Alt-Saxofon), City Light Orchestra, Ltg. Kevin Griffith

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Prospero PROSP0012, 2 CDs
erschienen in: das Orchester 10/2021 , Seite 77

Filmkom­pon­is­ten bleiben dem Film­pub­likum meist namentlich unbekan­nt, was gewiss nicht für John Williams gilt. Neben Ennio Mor­ri­cone ist er der Filmkom­pon­ist der ver­gan­genen Jahrzehnte schlechthin. Der 1932 Geborene spielte schon in der High­school Jazz, arrang­ierte für eine Army-Band, studierte Kom­po­si­tion und Klavier und erar­beit­ete sich eine stilis­tis­che Band­bre­ite, die ihn als Kom­pon­is­ten für Fernse­hen und Film prädisponierte. Er schrieb Musik für alle Film­gen­res. Am bekan­ntesten ist seine großorches­trale, an die Spätro­man­tik anknüpfende Musik u. a. für Star Wars, Close Encoun­ters, E. T. und Har­ry Pot­ter. Es ist maßge­blich sein Ver­di­enst, die Tra­di­tion der sin­fonis­chen Hol­ly­wood­kom­pon­is­ten weit­erge­führt zu haben, befördert in erster Lin­ie durch George Lucas und Steven Spiel­berg. Mit 52 Nominierun­gen für den Oscar (er gewann fünf) hält Williams den Reko­rd unter den leben­den Filmschaffenden.
Sound­tracks oder Film­musik-Livekonz­erte lassen Filmer­leb­nisse wieder wach wer­den, das Nach­spie­len von berühmter Film­musik ist enorm attrak­tiv gewor­den. Kaum eine Ver­anstal­tung, auf der Film­musik erklingt, kommt ohne „Hedwig’s Theme“ aus. Zwar verzichtet das in Luzern ansäs­sige City Light Orches­tra in sein­er Kom­pi­la­tion auf dieses, nicht aber auf andere The­men aus Har­ry Pot­ter-Fil­men. Das Ensem­ble wurde 2018 als Pro­jek­torch­ester gegrün­det, für Film­musik in Livekonz­erten. Dieses Debut­dop­pelal­bum, im Sep­tem­ber 2020 in Luzern aufgenom­men, ist spiel­tech­nisch und klan­glich her­aus­ra­gend. Kevin Grif­fith hat bere­its in Hol­ly­wood dirigiert, ist sowohl Film- als auch Opern- und Konz­ert­diri­gent. Er achtet auf Lin­ear­ität und Dif­feren­zierung, ohne die Vehe­menz der Höhep­unk­te zu ver­leug­nen. Auf­nah­me­tech­nik und Mix­ing fördern diesen Ansatz. Das Orch­ester spielt mit vir­tu­os­er Präzi­sion. Das Book­let im Digi­pack bre­it­et wichtige Infor­ma­tio­nen optisch sehr ansprechend aus.
Die erste CD enthält Musik aus echt­en Block­bustern. Aus Star Wars erklingt eine vier­sätzige Suite aus der Episode VII (2015). In ihr wird Williams’ Tech­nik der Theme­nen­twick­lung exem­plar­isch ange­wandt. Die eröff­nende Ouvertüre aus The Cow­boys (1972) ist ein Beispiel für typ­isch Amerikanis­ches, hier in opern­hafter Länge. Eben­so sind Super­man, Indi­ana Jones und Juras­sic Park vertreten. Trotz stilis­tisch und orch­estertech­nisch großer Vielfalt bleibt der fan­faren­hafte Tri­umph­marsch John Williams’ Marken­ze­ichen. Seine Musik zielt ab auf Überwältigung.
Die nur gut eine halbe Stunde dauernde zweite CD enthält über­wiegend Musik für kleinere Beset­zun­gen. Catch me if you can (2002) zeigt eine Rev­erenz zum Cool Jazz, mit warmem Ton inter­pretiert von der Sax­o­fon­solistin Valen­tine Michaud. Paul Mey­er und Rein­hold Friedrich gestal­ten ihre Soloparts den Vor­la­gen gemäß ganz unter­schiedlich, der Klar­inet­tist mit ein­er Klezmer-Fär­bung, der Trompeter mit glasklarem Ton. Dass ein Holzbläserensem­ble mit „Nim­bus 2000“ aus Har­ry Pot­ter den Abschluss dieses Dop­pelal­bums bildet, zeigt, wie sehr den Beteiligten an diesem Spot­light die Viel­seit­igkeit des Kom­pon­is­ten am Herzen liegt.
Chris­t­ian Kuntze-Krakau