Joseph Reinagle

Sonatine für Kontrabass und Klavier G-Dur

bearb. von Rainer Mohrs/Jens Schlichting, Einrichtung der Kontrabassstimme: Charlotte Mohrs, Partitur und Stimme

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott
erschienen in: das Orchester 12/2018 , Seite 69

Kontrabassisten sind dankbare „Abnehmer“ von Bearbeitungen. Zwar gibt es inzwischen eine beachtliche Auswahl von zeitgenössischem Solorepertoire, das dem
Instrument auf seinen fülligen Leib komponiert wurde; dieses reicht aber bei Weitem nicht aus, um die schmerzlichen Lücken in Klassik und Romantik zu füllen – zumal viele der solistischen Werke für Kontrabass aus dem Umfeld der Wiener Klassik auf besonderen Saitenstimmungen basieren und die wenigen Konzerte und anderen Solowerke aus dem (spät-)romantischen Umfeld teils von erheblichem Schwierigkeitsgrad sind.
Ganz anders die vorliegende Sonatine mit ihren drei kurzen Sätzen: Rainer Mohrs und Jens Schlich­ting nahmen drei der Thirty Progressive Lessons für Violoncello des britischen Komponisten und Multiinstrumentalisten Joseph Reinagle, ergänzten die das Solocello begleitende Bassstimme zum kompakten Klaviersatz und erhielten so ein übersichtliches und eingängiges Werk für Kontrabass und Klavier, das für beide Parteien einigermaßen leicht ausführbar und dennoch nicht ohne Wirkung bleibt.
Joseph Reinagle, der in den berühmten Salomon-Konzerten in London 1796 unter Joseph Haydn im Orchester spielte, war nicht nur ausübender Orchestermusiker auf Violine, Bratsche und Cello, sondern beherrschte zudem auch eine Reihe Blasinstrumente. Kennern in Erinnerung geblieben ist der österreichischstämmige Musiker allerdings als komponierender Didakt, dessen Celloetüden für ihre feine Melodik gerühmt werden. Seine 1830, zum Ende seines Musikerlebens enstandene Concise Introduction to the Playing of the Violoncello („Kurze Einführung in das Violoncellospiel“), der die oben erwähnten 30 Studien angehängt sind, erlebte in den Folgejahren mehrere Auflagen, konnte sich allerdings nicht als eines der Standardwerke der Unterrichtsliteratur durchsetzen.
Um so schöner, dass ein selten genutzter Band für die Instrumentalausbildung nun zur Grundlage für ein kleines Solostück wird, das sich bestens für Unterricht und Bühne eignet. Die Kontrabassstimme erfordert mit ihrem nicht über die dritte Lage hinausgehenden Umfang zwar keine professionelle Beherrschung des Instruments, jedoch sollten eine Beweglichkeit des Tons, gute Intonationssicherheit und eine sehr solide Bogentechnik schon vorhanden sein, um Joseph Reinagles Melodielinien in dieser Sonatine angemessen zum Klingen bringen zu können.
Eine auf Eleganz setzende Beweglichkeit ist auch auf Seiten des Klaviers gefordert. Wer einmal klassische Konzerte aus dem Klavierauszug begleitet hat, weiß, wie zurückhaltend und doch präzise eine solche Begleitung angelegt sein muss – insbesondere im Verbund mit dem tiefen Bassinstrument, dessen eingeschränktes Obertonspektrum ganz besondere Vorsicht erfordert.
Daniel Knödler